Gelsenkirchener Gastronom: "Haben kaum Anfragen für Weihnachtsfeiern"

Vier Tassen gefüllt mit Glühwein

Gelsenkirchener Gastronom: "Haben kaum Anfragen für Weihnachtsfeiern"

Weihnachtsfeiern sind wieder erlaubt, doch die Menschen sind noch zurückhaltend, was Planungen angeht. Dirk Krühler betreibt ein Bowling-Center in Gelsenkirchen, auch er hat bisher kaum Anfragen.

Im vergangenen Jahr mussten alle Weihnachtsfeiern coronabedingt ausfallen, ganz Deutschland war im Lockdown. In diesem Jahr darf - Stand jetzt - wieder gefeiert werden. Die Nachfrage bei Gastronomen und Veranstaltern ist allerdings bisher gering.

Porträtfoto von Dirk Krühler

Gastronom Dirk Krühler betreibt ein Bowling-Center in Gelsenkirchen.

Dirk Krühler betreibt in Gelsenkirchen ein Bowling-Center und auch er hat in diesem Jahr bisher deutlich weniger Reservierungen für Weihnachtsfeiern als noch vor der Pandemie. Im Interview erzählt er, welche die aktuell größten Herausforderungen für seinen Betrieb sind.

WDR: Herr Krühler, wie ist Ihre aktuelle Situation?

Dirk Krühler: Die bleibt bescheiden. Wir sind ja froh, dass wir wieder geöffnet haben. Wir haben aber auch einen riesigen Personalmangel. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden, den Betrieb nächste Woche wieder auf Vollgas ohne Kurzarbeit hochzufahren.

WDR: Wie genau sieht der Personalmangel aus?

Krühler: Der Betriebsleiter hat uns kürzlich verlassen, das ist natürlich eine wichtige Schlüsselfunktion für uns. Wir arbeiten normalerweise in der Hauptsaison mit 45 Aushilfen, jetzt haben wir sechs. Wir werden deswegen jetzt in ganz Gelsenkirchen eine Plakataktion starten, nach dem Motto: "Kommt zu uns ins Team". Viele scheuen sich, in der Gastronomie zu arbeiten, glaube ich.

WDR: Wie sieht es in diesem Jahr mit den Reservierungen für die Weihnachtsfeiern aus?

Krühler: Sehr sehr verhalten. Wir haben normalerweise 150 Weihnachtsfeiern. Jetzt haben wir aktuell gerade zehn Anfragen, da sind sechs Buchungen durch. Das zeigt ganz deutlich noch die Vorsicht und dass die Leute noch zu zurückhaltend sind, um zu sagen: "Ich lasse es jetzt mal krachen".

WDR: Wie wichtig ist das Weihnachtsgeschäft für Sie?

Krühler: Sehr wichtig. Wir verdienen unser Geld ausschließlich im Winter und müssen damit den Sommer kompensieren. Denn im Sommer kommt keiner bowlen, genauso wie im Winter keiner ins Freibad geht. Man muss dazu sagen, wir haben noch die Überbrückungshilfe. Die läuft genau noch bis zum 31. Dezember, insofern können wir das bis dahin alles auch strategisch gut beobachten.

WDR: Wieviele Weihnachtsfeiern bräuchten Sie denn für eine gute Bilanz?

Krühler: Wenn wir auf 50 kommen, sind wir gut, das sollten wir auch schaffen. Denn ich bin sicher, dass viele noch kurzfristig entscheiden. Man weiß ja selbst, es ist immer so eine "Wochengeschichte". Vielleicht ist im November die Stimmung wieder eine andere. Für uns sind dann vor allem die Adventswochenenden interessant.

WDR: Wie ist denn allgemein Ihre Gefühlslage?

Krühler: Mittlerweile geht es. Als wir im März 2020 das erste Mal zugemacht haben, habe ich das Kühlhaus ausgeräumt und geweint. Da ist wirklich etwas zusammengebrochen. Mittlerweile sehe ich es als strategische Aufgabe an. Weinen werde ich vielleicht nochmal im nächsten Jahr, wenn es keine Hilfen mehr gibt und wir von Umsätzen leben müssen.

Das Interview führte Maren Bednarczyk.

Das Gespräch wurde für die Online-Version sprachlich bearbeitet und gekürzt.

Stand: 26.10.2021, 08:14