Gedenken an NSU-Opfer in Dortmund

Gedenken an Mehmet Kubasik

Gedenken an NSU-Opfer in Dortmund

Von Christof Voigt

  • Weitere Aufklärung der NSU-Morde gefordert
  • Familie nicht bei Gedenkfeier dabei
  • Mehmet-Kubaşık-Stadtrundgang geplant

Vor genau 13 Jahren, am 04.04.2006, wurde der Dortmunder Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk mit zwei Kopfschüssen ermordet. Oberbürgermeister Ulrich Sierau hat am Donnerstagmorgen (04.04.2019) zusammen mit dem türkischen Generalkonsul Blumen an dem Kiosk abgelegt, in dem Kubasık ermordet worden war.

Mehrere hundert Menschen kamen am Abend zu einem Gedenkmarsch, um an den Familienvater zu erinnern – und für eine Aufklärung des Verbrechens zu demonstrieren.   

Montage: Eine Aufnahme des ermordeten Mehmet Kubasik, weisse Rose zum Gedenken und eine Kerze

Seit sieben Jahren organisiert das Bündnis "Tag der Solidarität" diese Demo. Immer dabei: Familie Kubaşık. Aber in diesem Jahr wird sie zum ersten Mal nicht daran teilnehmen: Sie wird den Tag bei Mehmet Kubaşık verbringen, an seinem Grab in der Türkei.

Seit dreizehn Jahren lebt die Familie jetzt schon mit quälender Ungewissheit. Sie sind überzeugt, dass Uwe Mundlos, Uwe Böhnhard und Beate Zschäpe beim Mord an Mehmet Kubaşık Helfer hatten.

Dafür gibt es rund um den NSU-Mord in Dortmund einfach viele Hinweise. Unter anderem viele Verbindungen zwischen Dortmunder Neonazis und Rechtsextremen, die dem bundesweiten NSU-Komplex zugeordnet werden.

Aufklärung gefordert

Gamze Kubaşık mit ihrem Anwalt Sebastian Scharmer bei einer Pressekonferenz

Gamze Kubaşık mit ihrem Anwalt Sebastian Scharmer

Aber keiner dieser Hinweise konnte aufgeklärt werden. Nicht in den NSU-Untersuchungsausschüssen des Bundes und im NRW-Landtag. Auch nicht im NSU-Prozess am Münchener Oberlandesgericht, einem der aufwendigsten und größten Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Nach über fünf Jahren und 437 Verhandlungstagen zog Gamze Kubaşık, die Tochter von Mehmet Kubaşık, im vergangenen Juli ein enttäuschtes Fazit des Prozesses: "Ich will wissen, warum es bis heute keine richtigen Ermittlungen zu weiteren Helfern gibt. Unsere Anwälte sollen dazu endlich alle Akten bekommen. Alle weiteren Helfer müssen ermittelt werden. Auch in Dortmund. Ich will nicht weiter das Gefühl haben, weitere Täter zu treffen. Das muss aufhören!"

Mehmet-Kubaşık-Stadtrundgang geplant

Diese Forderungen werden in Dortmund von einem breiten Bündnis unterstützt. Unter anderem ist ein Mehmet-Kubaşık-Stadtrundgang in Planung. Schulklassen soll so mehr über den Dortmunder erfahren, auch über die vielen offenen Fragen rund um seinen Tod.

Gedenkstein für getötetes NSU-Opfer Lokalzeit aus Dortmund 24.09.2012 02:25 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Die Nadel im Heuhaufen Lokalzeit aus Dortmund 07.12.2011 03:08 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Stand: 04.04.2019, 11:14

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