Gedenken an das Attentat in Hanau

Gedenken an das Attentat in Hanau

Von Dirk Groß-Langenhoff

In vielen Städten in NRW ist am Freitagabend der neun Opfer des rassistischen Attentates in Hanau gedacht worden. Es war kein stilles Gedenken, sondern eines mit lauten Forderungen.

Auf dem Ehrenzeller Platz im Essener Stadtteil Altendorf haben sich am Freitagabend etwa hundert Menschen versammelt, um der neun Opfern des Attentates von Hanau vor einem Jahr zu gedenken - so wie in vielen anderen größeren Städten in NRW. Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Kaum ein Stadtteil in Essen hat einen höheren Migrationsanteil.

Essener Gedenken der Opfer in Hanau

Essener entzünden eine Grabkerze für die Opfer von Hanau

Zu der Mahnwache sind auch Menschen ohne Migrationshintergrund nach Essen-Altendorf gekommen. Auch sie zünden eine Grabkerze unter den Fotos der neun Hanauer Opfer an. Nach dem stillen Gedenken wird es lauter auf dem Platz. Das Mikrofon wird an Menschen mit Migrationshintergrund weitergereicht. Sie erzählen vom Rassismus, den sie fast jeden Tag erleben müssen.

Die Redner sprechen über ständige Polizeikontrollen im Viertel oder am Bahnhof. Wer nicht deutsch aussehe, werde öfter kontrolliert, heißt es. Auch Maida Khan, die in Essen Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert, ergreift das offene Mikrofon. "Es ist wichtig, dass wir einen Tag haben, an dem wir unserer Wut und unserer Trauer Ausdruck verleihen dürfen", erzählt die 29-Jährige. Migrantinnen und Migranten in Deutschland hätten lange genug geschwiegen.

Maida Kahn spricht auf der Gedenkveranstaltung in Essen

Maida Kahn spricht auf der Gedenkveranstaltung in Essen

Maidas Eltern stammen aus Pakistan. Doch sie selbst ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Oft wird ihr attestiert, dass sie gut deutsch spreche und dass sie schon gut integriert sei. "Das kann ich nicht mehr hören", sagt die Studentin. "Das ist positiver Rassismus, der mich genauso verletzt wie Anfeindungen oder Beleidigungen." Bei dieser Mahnwache in Essen wird deutlich, dass gerade die junge Generation die Nase voll hat und endlich so behandelt werden möchte wie Menschen ohne Migrationshintergrund.

Weniger Teilnehmer wegen Corona

In den meisten Städten in NRW waren etwa 50 Teilnehmer bei den Gedenkveranstaltungen angemeldet. Oft sind aber deutlich mehr gekommen. Die geringe Zahl ist dem Schutz vor Corona geschuldet. In manchen Städten wie in Essen und Bochum gab es deshalb zwei Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten. So konnten die Abstandsregeln gut eingehalten werden.

Ein Jahr nach Hanau: keine Sicherheit

WDR 5 Politikum - Kommentar 18.02.2021 02:00 Min. Verfügbar bis 18.02.2022 WDR 5 Von Yassin Musharbash


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Auffällig ist, dass auch ein Jahr nach dem Attentat die Gedenkveranstaltungen von linken Gruppierungen und Bündnissen dominiert wurden. Die bürgerliche Mitte ist durch Parteien oder Verbände so gut wie gar nicht vertreten gewesen.

Überblick der Gedenkveranstaltungen in NRW

Aachen | Elisenbrunnen | 18:00 Uhr

Bielefeld | Kesselbrink | 17:00 Uhr

Bochum | Husemann Platz | 15:00 Uhr

Bochum | Hauptbahnhof | 17:00 Uhr (Demo)

Bonn | Frankenbadplatz | 17:30 Uhr

Dortmund | Reinoldkirche | 18:00 Uhr

Duisburg | August-Bebel-Platz/Marxloh | 17:30 Uhr

Düsseldorf | Oberbilker Markt | 17:00 Uhr

Essen | Ehrenzeller Platz | 16 Uhr

Essen | Willy-Brandt-Platz | 18 Uhr

Köln | Wiener Platz | 18:00 Uhr

Köln-Nippes | Wilhelmplatz | 16:00 Uhr

Krefeld | Bahnhofsvorplatz (Ostwall) | 17:00 Uhr

Paderborn | Rathausplatz | 14:00 Uhr

Wuppertal | Geschwister-Scholl-Platz | 17:00 Uhr

Stand: 19.02.2021, 20:25