Wirte streiten sich mit Versicherungen um Entschädigung

Gläser in der Hand

Wirte streiten sich mit Versicherungen um Entschädigung

Von Michael Westerhoff

  • Gastwirte und Hotelbesitzer haben Versicherungen gegen Betriebsschließung
  • Viele Versicherer weigern sich zu zahlen
  • Corona nicht als Krankheit aufgelistet

Der Dortmunder Gastwirt Günther Overkamp hat vorgebeugt. Er hat eine Versicherung gegen Betriebsschließungen abgeschlossen. Die soll 30 Tage lang zahlen, wenn er sein Restaurant nicht öffnen kann. So wie jetzt in der Corona-Krise. Bisher hat er aber noch keine Entschädigung erhalten: "Bei Versicherungen weiß man immer erst, ob sie zahlen, wenn das Geld wirklich auf dem Konto ist", sagt Overkamp.

Umsatzverluste von 100 Prozent

Seine Skepsis sei nicht unberechtigt, bestätigt Thorsten Hellwig vom Hotel- und Gaststättenverband NRW. Zahlreiche Mitglieder hätten von ähnlichen Erfahrungen berichtet. Eine schlechte Nachricht für Gastwirte und Hotelbesitzer, die ohnehin schon besonders stark unter den Folgen des Virus leiden: "Ganz viele haben mittlerweile Umsatzverluste von 100 Prozent", so Hellwig.

Es hakt an mehreren Punkten: Viele Wirte haben die Versicherung abgeschlossen, um beispielsweise durch Schließungen durch die Lebensmittelüberwachung abgesichert zu sein. Also wenn sich ein Gast beispielsweise eine Lebensmittelvergiftung im Restaurant zuzieht. Viele Policen decken deshalb zwar ab, wenn ein einzelner Betrieb schließen muss, aber nicht, wenn flächendeckend alle Hotels und Restaurants dicht machen müssen.

Corona-Virus in meisten Versicherungen nicht enthalten

In vielen Policen sind zudem die Krankheiten aufgezählt, bei denen die Versicherung einspringt. "Corona dürfte in den meisten Fällen fehlen", bestätigt Henning Engelage vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das Virus ist zu neu, um in der Liste aufzutauchen. Deshalb weigern sich verschiedene Versicherungen zu zahlen. Ob das zulässig ist, müssen erst Gerichte klären.

Günther Overkamp kann darauf nicht warten. Ab 1. April will er seine 90 Mitarbeiter erst einmal in Kurzarbeit schicken. Im März haben die sich noch um den Außer-Haus-Verkauf gekümmert. Den will Overkamp jetzt mit Familienmitgliedern fortführen. Das spart Geld, um irgendwie bis zum Ende der Krise über die Runden zu kommen.

Stand: 26.03.2020, 06:40