Galeria bekommt 250 Millionen Euro Staatshilfe

Stand: 26.01.2022, 08:45 Uhr

Aufatmen in den Galeria-Filialen und der Essener Zentrale – die Staatshilfen sollen schon bald fließen. Das hat der Warenhauschef den Mitarbeitern mitgeteilt.

Auf diese Nachricht haben die 17.000 Mitarbeiter von Galeria in den Kaufhäusern und der Zentrale im Essener Süden gewartet. In einem Brief, der dem WDR vorliegt, schreibt ihr Chef, dass 250 Millionen Euro aus dem Stabilisierungsfonds des Bundes als stille Einlage die Zukunft sichern sollen.

2G und Weihnachtsgeschäft setzten zu

Die 2G Regel im Einzelhandel und abgesagte Weihnachtsmärkte haben Galeria, ehemals Karstadt Kaufhof, laut Finanzchef besonders im Weihnachtsgeschäft zu schaffen gemacht. Schließlich seien die Kaufhäuser in den Innenstädten systemrelevant, mit diesem Argument hatte er den Antrag auf staatliche Unterstützung schon im Dezember begründet.

Experte zweifelt an Bedeutung von Galeria

Der Einzelhandelsexperte Hendrik Schröder von der Universität Duisburg Essen sieht die Bedeutung der Warenhausgruppe jedoch eher geringer. "Wenn Galeria argumentiert, dass ein Kredit notwendig sei, weil man systemrelevant in den Innenstädten sei, dann muss man sich fragen, wieso es denn nicht gelungen ist, außerhalb der Coronazeit diese Systemrelevanz nachhaltig unter Beweis zu stellen."

Im Bundeswirtschaftsministerium bleibt man zur Begründung für das Hilfspaket eher allgemein. Minister Robert Habeck begründete die Hilfen mit den Coronamaßnahmen. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er, dass vor allem der stationäre Handel mit den Einschränkungen zu kämpfen habe. Daher habe man entschieden, der Warenhauskette erneut unter die Arme zu greifen. Sie hatte bereits im vergangenen Jahr einen Staatskredit in Höhe von 460 Millionen Euro erhalten.

Scharfe Kritik an Staatshilfe

Auch wenn sich der Handelsverband Deutschland über die Hilfe erfreut zeigt, hagelt es Kritik von Handelsexperten – die im Handelsblatt teilweise sogar von einem "Skandal" sprechen. Sie sehen in den Millionenhilfen verbrannte Steuergelder, denn die Warenhäuser kämpfen seit Jahren mit Problemen, haben in vielen Innenstädten schon Filialen geschlossen und tausende Mitarbeiter entlassen. Die Zukunft ist trotzdem ungewiss.

Für Einzelhandelsexperte Hendrik Schröder entsteht eine Schieflage, wenn kleine Händler für Coronahilfen zahlreiche Anträge ausfüllen müssten und dann noch darum bangten, ob das Geld tatsächlich kommt. Viele seien im Gegensatz zu den Warenhäusern völlig unverschuldet in diese Not geraten. "Galeria sieht sich ja nicht nur dem Problem gegenüber, dass in Coronazeiten weniger Kunden kommen. Wir haben seit vielen Jahren hausgemachte Managementprobleme und Galeria ist schlichtweg im Onlinegeschäft schlecht aufgestellt. Da gibt es viele Beispiele im Handel, die es besser gemacht haben."

Warenhauskette Galeria bekommt Staatshilfen 02:56 Min. Verfügbar bis 26.01.2023

Vorerst sind die Kaufhäuser wieder einmal gerettet – und in dem Brief an die Mitarbeiter verbreitet der Galeria-Chef noch Aufbruchstimmung. "Dass wir unter halbwegs normalen Bedingungen erfolgreich sind, haben wir Ende Oktober gezeigt. Diesen Weg setzen wir jetzt fort".

Galeria hat deutschlandweit noch 131 Filialen. Besonders in kleineren Städten wurden die Kaufhäuser seit Jahren nach und nach geschlossen.