Fußballfans erwandern in Dortmund Orte der NS-Zeit

Das Gebäude der Steinwache in Dortmund, gebaut aus massivem Sandstein

Fußballfans erwandern in Dortmund Orte der NS-Zeit

  • Geführter Spaziergang zum Stadion
  • Geführt vom Fan-Projekt Dortmund
  • Rolle des Fußballs in der NS-Zeit

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel Deutschland gegen Argentinien am Mittwoch (9.10.2019) in Dortmund haben einige Fans an einem besonderen Spaziergang zum Stadion teilgenommen.

Unter dem Titel „Mehr als nur ein Weg ins Stadion“ erzählten Vertreter des Fanprojektes Dortmund an mehreren Orten über die NS-Geschichte der Stadt. Zu den Stationen gehörten der Hansaplatz und die Westfalenhalle.

Fußballfans besuchen Orte des Nazi-Terrors in Dortmund

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel Deutschland gegen Argentinien hat das Dortmunder Fanprojekt - als Teil der "Fußballkulturtage NRW" einen Spaziergang zum Stadion organisiert. Auf dem Weg erfuhren die Teilnehmer an mehreren Orten, welche Rolle diese im Nationalsozialismus gespielt haben.

Fußballfans besuchen Orte des Nazi-Terrors in Dortmund

Am Deutschen Fußballmuseum startete der Rundgang mit etwa 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Am Deutschen Fußballmuseum startete der Rundgang mit etwa 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Florian Hansing, Sozialarbeiter beim Fan-Projekt Dortmund, und Gebärdendolmetscherin Gisela Binczyk leiteten den Weg zum Stadion. An der heutigen Corso Passage war zur NS-Zeit ein Café, in dem sich die Dortmunder „Edelweißpiraten“ getroffen haben – Jugendliche, die sich gegen die Nationalsozialisten wehrten.

Am 30. Mai 1933 wurden am Dortmunder Hansaplatz vor 50.000 Zuschauern Bücher verbrannt. „Unerwünschtes Schrifttum“ von 134 Autoren landete im Feuer.

Noch vor der Reichspogromnacht im Jahr 1938 wurde die Dortmunder Synagoge von den Nationalsozialisten enteignet und abgerissen.

Aus Dortmund und der unmittelbaren Umgebung wurden mehr als 2000 Menschen, hauptsächlich Juden, deportiert und in Konzentrationslagern inhaftiert. Nur etwa 50 von ihnen überlebten den Holocaust.

„Dortmund gegen Nazis!“ – Der Schriftzug am Theater passt zum „Weg ins Stadion“. Während die Fußballfans sich am Platz der alten Synagoge unterhalten, ziehen mehr als 100 Menschen über die Hansastraße und protestieren gegen Antisemitismus heute.

1932 sprach Adolf Hitler bei Wahlkampfveranstaltungen an der Dortmunder Westfalenhalle. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, wurde die Halle oft zu Propagandaveranstaltungen genutzt.

Nach Beginn des zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Westfalenhalle von der Wehrmacht beschlagnahmt und als Kriegsgefangenenlager genutzt. Tausende Kriegsgefangene starben durch Zwangsarbeit, willkürliche Erschießungen, Hunger oder Bombenangriffe zu Ende des Krieges.

15 Fan-Projekte beteiligt

Die Veranstaltung fand im Rahmen der 4. Fußball-Kulturtage statt. Bis zum 21. Oktober gibt dabei viele Lesungen, Kinofilme und Vorträge - alles organisiert von den 15 Fan-Projekten in NRW.

Rolle des Fußballs in der NS-Zeit

In Dortmund ging es beim rund anderthalbstündigen Spaziergang vom Deutschen Fußballmseum bis zum Stadion auch um die Rolle des Fußballs in der NS-Zeit.

Stand: 09.10.2019, 07:01