600 Gramm Leben: Frühchen-Zwillinge in Essener Uniklinik

Auf dem Bauch liegendes frühgeborenes Baby

600 Gramm Leben: Frühchen-Zwillinge in Essener Uniklinik

Von Jana Brauer

  • Besuch auf der Frühgeborenen-Intensivstation
  • Zwillinge in der 24. Woche zur Welt gekommen
  • Babys entwickeln sich in Inkubatoren weiter

Anna und Denis sind Zwillinge. Die beiden Babys sind erst vor wenigen Wochen, am 17. Juni 2020, geboren worden. Sie kamen als Frühchen in der 24. Schwangerschaftswoche auf die Welt und werden seitdem auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Essener Universitätsklinikums behandelt.

Atmosphäre wie im Mutterleib

Dort liegen die Zwillinge in zwei Inkubatoren, in denen sie versorgt werden. Eine Atemunterstützung hilft den winzigen Babys beim Luft holen. Über Monitore werden ihre Vitalfunktionen überwacht. Immer mal wieder beginnt ein Alarm bei einem der beiden zu piepsen, dann sieht schnell jemand nach ihnen.

Wenn Anna und Denis nicht gerade behandelt werden, liegt ein fliederfarbenes Tuch über ihren Inkubatoren. Damit soll eine Atmosphäre wie im Mutterleib geschaffen werden. Die Babys sollen so viel schlafen wie möglich. Helles Licht könnten sie als negative Reize wahrnehmen.

Frühchen-Zwillinge Anna und Denis im Essener Uniklinikum

Frühgeborenes Baby mit Beatmung in Inkubator

Frühchen Denis (Foto) und seine Zwillingsschwester Anna sollten eigentlich erst im Oktober geboren werden.

Frühchen Denis (Foto) und seine Zwillingsschwester Anna sollten eigentlich erst im Oktober geboren werden.

Das Atmen fällt Anna trotz Unterstützung noch schwer. Für die Frühchen ist das sehr anstrengend.

Mutter Valentina wickelt Denis zum ersten Mal an diesem Tag und bekommt Lob von der Krankenschwester.

Ihre Muttermilch bringt die Zwillingsmama in diesen Fläschchen mit ...

... und über eine Magensonde wird sie den winzigen Babys gegeben.

Mutter und Sohn beim "Känguruhen". Hautkontakt, Nähe und Wärme tun gut.

Muttermilch über Magensonde

Bei ihrer Geburt haben die Zwillinge nur etwa 600 Gramm gewogen. Mittlerweile haben sie schon etwas zugelegt, berichtet eine Krankenschwester zufrieden. Ernährt werden die Babys derzeit mit Muttermilch über eine Magensonde.

Valentina Morozova, die Mutter der beiden, pumpt die Milch bei sich ab und bringt sie ins Krankenhaus. So auch an diesem Nachmittag. Mehrere Fläschchen holt sie aus einer Kühltasche heraus. Die 32-jährige Mülheimerin kommt jeden Tag auf die Frühgeborenen-Station, um nach ihren Kindern zu sehen und bei ihnen zu sein.

Mittlerweile hat sie sich an den Anblick ihrer winzigen, verkabelten Babys gewöhnt. Ihrem Mann falle das schwerer. "Ihm macht das Angst", erzählt Valentina Morozova.

Organe noch nicht fertig entwickelt

Frühgeborene Zwillinge kämen immer mal wieder vor, berichtet Oberärztin Anja Stein. Sie betreut Anna und Denis, die beide auf natürlichem Wege geboren wurden. Wenn die Babys schon nach 24 Wochen auf die Welt kommen, sind ihre Organe noch nicht fertig entwickelt. Das muss nun außerhalb des Mutterleibs passieren.

Die Zwillinge hätten eigentlich erst im Oktober geboren werden sollen. Bis dahin werden sie mindestens noch im Krankenhaus bleiben. Den ersten wichtigen Schritt hätten die beiden schon geschafft, sagt Anja Stein. "Sie brauchen keine künstliche Ernährung mehr." Der nächste große Schritt wäre dann das selbstständige Atmen.

"Ich bin ganz stark, es wird alles gut sein"

Valentina Morozova hat ihren Strickpullover inzwischen gegen ein Top und einen Kittel eingetauscht. Sie wird gleich mit Denis "känguruhen". Ihr Sohn wird ihr dabei auf ihre nackte Brust gelegt. Dieser Körperkontakt und die Wärme sollen gut für Frühchen sein. Studien haben dies belegt.

"Ein sehr schönes Gefühl", sagt Valentina Morozova, während Denis auf ihr liegt. Am Anfang hätte sie etwas Angst gehabt, jetzt sei es ganz normal. Die Zwillingsmama scheint mit der aktuellen Situation gut zurecht zu kommen. Ein bisschen traurig sei sie darüber, dass Oma und Tante die Kinder noch nicht besuchen können.

Während Denis auf ihr liegt, kontrolliert sie immer wieder mithilfe eines silbernen Handspiegels, ob alles in Ordnung ist. Auch wenn es noch einige Monate dauern wird, freut sich Valentina Morozova auf den Tag, an dem sie ihre Zwillinge endlich mit nach Hause nehmen kann. "Ich bin ganz stark, es wird alles gut sein", sagt sie, bevor sie sich wieder ihrem winzigen Sohn zuwendet.

Baby mit nur 268 Gramm hat überlebt

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 28.02.2019 04:45 Min. Verfügbar bis 28.02.2024 WDR 5 Von Robin Schäfer

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Stand: 16.07.2020, 12:04