Locken down: Essener Friseurin schneidet Videos

Corinna Schürmann steht in ihrem Friseursalon in Essen-Rüttenscheid

Locken down: Essener Friseurin schneidet Videos

Von Sebastian Tischkov

Viele Branchen sind wegen des aktuellen Lockdowns kreativ geworden. Eine Essener Friseurin versucht, sich mit Video-Tutorials über Wasser zu halten.

Corinna Schürmann steht in ihrem kleinen Salon in Essen-Rüttenscheid – und keiner ist da. Die Stühle leer, das Kalender-Büchlein auch. Nur im kleinen Friseur-Arbeitswagen herrscht zwischen Kamm, Scheren und Sprays Unordnung wie immer. Trotzdem: Die Friseurin ist zuversichtlich und fröhlich, obwohl kein Ende des Lockdowns absehbar ist.

Denn trotz Krise wächst man mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, sagt Schürmann in ihrem Laden "Coko Cut“: "Ich habe viel Kontakt zu ganz vielen lieben Kollegen. Man tauscht sich aus, und das ist irgendwie ein Miteinander.“ Auch sie habe mit ihren zwei Mitarbeitenden die letzten Öffnungstage Mitte Dezember durchgearbeitet, sogar an Sonntagen den Laden geöffnet.

Tutorials und Pflegeprodukte für den Übergang

Corinna Schürmann schaut in den leeren Kalender ihres Friseursalons.

Tote Hose im Kalender: Termine gibt es beim Friseur gerade nicht.

Langweilig wird ihr auf jeden Fall nicht: "Ich bin fast jeden Tag in meinem Laden, weil ich ihn auch einfach vermisse und gerne hier bin". Während des ersten, sechswöchigen Lockdowns hat Corinna Schürmann ihren Laden renoviert und neu eingerichtet. Jetzt arbeitet sie mit einer Kollegin an Video-Tutorials auf Instagram: Wie trage ich mir Haarfarbe selbst auf oder wie schneide ich meinen Pony? "Ich habe zu Hause gesessen und mir gedacht: Nein, irgendwas muss ich machen. Etwas, was mit meinem Beruf zu tun hat", sagt Schürmann. Zusätzlich liefert sie Haarpflege-Produkte aus.

Das könne die Verluste während der Schließung aber nicht auffangen. "Wie lange ich das aushalte, das ist eine gute Frage. Vier, fünf, sechs Wochen würde es noch gehen, ohne, dass ich an meine Sachen müsste“, stellt Corinna klar. Ihre Hoffnung: Ein gutes Rettungspaket der Politik, denn finanzielle Hilfen aus dem Dezember bekommen viele Friseursalons nicht, da sie in diesem Monat noch geöffnet waren.

"Es ist nicht nur, dass wir im Dezember nichts kriegen“, mahnt Schürmann. Aus den Soforthilfen im Frühjahr hätten viele ihrer Kollegen bis zu 7000 Euro zurückzahlen müssen, weil danach wieder eine Öffnung möglich gewesen ist.

„Keiner, der selbstständig ist, ist für Schwarzarbeit“

Und was ist mit Schwarzarbeit? Das komme für Schürmann niemals in Frage. Aber: "Ich würde niemanden dafür verurteilen, weil die momentane Situation viele Kollegen einfach dazu bringt. Da wird dann mit dem Finger draufgezeigt. Aber ganz ehrlich: Was willst du machen, wenn du kein Geld mehr hast?“ Sie mahnt, sich an die Regeln zu halten, der Bedarf wäre aber trotzdem da, weil vielen nach dem ersten Lockdown bewusst geworden sei, wie wichtig der Friseur sei. Auch Fußballer, die sich von ihr jetzt die Haare schneiden lassen möchten, würde sie abblitzen lassen: "Ich würde lieber einer Pflegerin, die sich gerade im Krankenhaus den Hintern aufreißt die Haare machen als dem“.

Aber es nütze ja nichts – Corinna Schürmann bringt erstmal weiter Pflegeprodukte an ihre Kunden und dreht Tutorials. Außer für Herrenfrisuren: "Da will ich keine Verantwortung für übernehmen“. Ihr Tipp: Komplett kurz rasieren. Oder halt ‘ne Mütze auf.

Kommentar: Corona am Telefon

WDR 4 Zur Sache 14.01.2021 01:50 Min. Verfügbar bis 14.01.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Stand: 14.01.2021, 17:48