Trotz Hilfe: Oberhausener Friedensdorf kann keine Kinder holen

Isatullah, 10 Jahre (links), aus Kandahar, sein rechter Unterschenkel könnte im Februar in D wegen Sepsis gerade noch rechtzeitig amputiert werden , er wurde im Februar ausgeflogen, nachdem der Flug im Aug 17 wegen fehlender Visa ausgefallen war.

Trotz Hilfe: Oberhausener Friedensdorf kann keine Kinder holen

  • Friedensdorf kann kranke afghanische Kinder nicht holen
  • Auswärtiges Amt stellte kurzfristig 50 Visa in Aussicht
  • Angebot kommt zu spät, kein Platz in Krankenhäusern

Das Friedensdorf Oberhausen musste ein kurzfristiges Hilfsangebot des Auswärtigen Amtes ausschlagen, teilte das Friedensdorf Oberhausen dem WDR am Donnerstag (14.06.2018) mit.

Nach langem Hin und Her hatte die Behörde nun doch Visa für zumindest 50 Kinder aus Afghanistan in Aussicht gestellt, heißt es vom Friedensdorf. Am Montag hatte es noch geheißen, dass die Visa nicht ausgestellt werden können.

Krankenhäuser sind voll

Die Kinder hätten nun doch zur medizinischen Behandlung nach Deutschland kommen können. Doch wie das Friedensdorf Oberhausen weiter mitteilte, werde man die Kinder nicht holen können.

Man sei auch auf freie Betten in den Krankenhäusern angewiesen. Die ursprünglich geplanten Betten seien abgesagt worden und mittlerweile durch andere Hilfsorgansationen belegt.

Verzögerung wegen Attentat auf Visastelle

Die Verzögerungen bei der Visavergabe entstanden auch durch einen Terroranschlag im vergangenen Jahr, bei dem die deutsche Botschaft in Kabul getroffen wurde. Seitdem ist die Visastelle dort geschlossen.

Es gehe um bis zu 80 Kinder, die dringend eine Versorgung bräuchten, sagte am Montag (11.06.2018) der Leiter des Friedensdorfes Thomas Jacobs gegenüber dem WDR. "Für die Kinder bedeutet das, keine adäquate medizinische Versorgung zu bekommen. Sie könnten sterben." Die medizinische Versorgung in Afghanistan sei oft für die ärmere Bevölkerung sehr schlecht. Man müsse handeln, sagte Jacobs.

Das Friedensdorf nimmt seit Jahren kranke Kinder aus Krisenregionen auf und lässt sie in Deutschland behandeln. Wenn sie gesund sind, fliegen sie zurück in ihre Heimat. Insgesamt sind zur Zeit rund 170 Kinder in dem Friedensdorf, etwa ein Drittel kommt aus Afghanistan.

Stand: 14.06.2018, 16:03