Freispruch für Henryk M. Broder

Freispruch für Henryk M. Broder

Freispruch für Henryk M. Broder

Von Michael Jung

  • Amtsgericht Duisburg weist Beleidigungsklage ab
  • Umstrittenes Interview nicht nachweisbar
  • Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hatte Publizisten angezeigt

Freispruch aus Mangel an Beweisen: Das Amtsgericht Duisburg hat einen Strafbefehl gegen den Publizisten Henryk M. Broder abgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn angeklagt, weil er die Duisburger Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor beleidigt haben sollte. In einem Interview mit der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ habe er gesagt, Kaddor habe „einen an der Klatsche“.

Doch ob die Aussage tatsächlich gefallen war und ob das Interview überhaupt stattgefunden hat, ließ sich vor Gericht am Montag (13.07.2020) nicht klären. Broder als Angeklagter verweigerte die Aussage; der als Zeuge geladene Interviewer berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht als Journalist.

Staatsanwältin fordert Freispruch

So blieb auch der Staatsanwältin nichts übrig, als nach der kurzen Beweisaufnahme einen Freispruch zu fordern. Sie persönlich halte es aber für „eher unwahrscheinlich“, dass die umstrittene Aussage nicht gefallen sei. Doch: „Auf die Frage, ob die Aussage eine Beleidigung ist, kommt es hier nicht mehr an“. Die Amtsrichterin schloss sich dem Plädoyer in ihrem Urteil vollständig an.

Der Anzeige von Kaddor war ein publizistischer Streit zwischen der Islamwissenschaftlerin und Henryk M. Broder vorausgegangen. 2016 war Kaddors Buch „Die Zerreißprobe“ erschienen. Darin thematisiert die Autorin, welche Auswirkungen die Flüchtlingsdebatte auf die Demokratie in Deutschland hat. Broder war daraufhin in einem Interview zitiert worden, er halte Kaddor für „genuin dumm“.

Morddrohungen gegen Islamwissenschaftlerin

In der Folge hatte Kaddor nach eigenen Aussagen Morddrohungen erhalten mit dem Zusatz „Broder hat recht“. Sie habe damals den Schuldienst aufgeben müssen, weil nicht nur sie, sondern auch ihre Schüler gefährdet gewesen seien. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger hatte Kaddor dies öffentlich gemacht und Broder die Schuld gegeben. Daraufhin erschien in der Jungen Freiheit die Replik, Kaddor habe „einen an der Klatsche“.

Nach dem Urteil bedauerte Kaddor im WDR-Interview, dass das Gericht die Frage nach der Strafbarkeit dieser Äußerung gar nicht thematisiert habe. Sie werde jedoch auch in Zukunft beleidigende Äußerungen anzeigen.

Stand: 13.07.2020, 14:46

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