Scharfes Auge für selbstfahrende Autos

Weißes Auto auf der Straße

Scharfes Auge für selbstfahrende Autos

  • Kamera-Fahrzeug im Raum Dortmund unterwegs
  • TU-Ingenieure entwickeln präzise Karten
  • Software soll Menschen, Tiere, Gegenstände unterscheiden

Ingenieure der Technischen Universität Dortmund erforschen einen wichtigen Baustein für die Vision vom autonomen Fahren. Sie wollen die visuelle Wahrnehmung und Unterscheidung von Hindernissen im Umfeld eines solchen selbstfahrenden Autos verbessern. Anfang Oktober 2019 haben sie mit Testfahrten begonnen.

Mehr noch: Mit künstlicher Intelligenz sollen die Autos im nächsten Schritt sogar in der Lage sein, Situationen vorauszusehen und sich entsprechend zu verhalten – also bremsen oder ausweichen.

Sechs Kameras, ein 3-D-Scanner

"Oberstes Ziel ist die Sicherheit", sagt Ingenieur Manuel Schmidt vom Lehrstuhl für Regelsystemtechnik mit Blick auf spektakuläre Fälle in den USA. Zusammen mit seinem Kollegen Niklas Stannartz hat er das Projekt zwei Jahre lang vorbereitet.

Obwohl das Thema "Autonomes Fahren" die Autobranche elektrisiert, wird das Testprogramm vorwiegend aus Haushaltsmitteln der Uni finanziert. Das Testauto ist mit sechs hochauflösenden Kameras bestückt, die eine 360-Grand-Rundumsicht ermöglichen. Zusätzlich hat der Wagen einen 3-D-Laserscanner und ein GPS-System.

Auto lernt "Räume" erkennen

Monitor mit Kameraübertragung der Straße und Scannerbild

Kamera- und Scannerbild werden kombiniert

Die Kombination von Kameras und Scanner ist der besondere Clou des Dortmunder Projekts. "Die Kameras können zwar die Gegenstände in der Umgebung sehr präzise unterscheiden und benennen", so Niklas Stannartz. Aber sie erkennen keine Entfernungen. "Diese dritte Dimension liefert die Fusion der Daten mit dem Scanner."

Gute Sicht bei Wind und Wetter

Mit den Testfahrten wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich die Kameras bei unterschiedlicher Witterung verhalten: diffuses Licht, Morgendämmerung, Nebel, Regen oder Schneefall. "Das sind die Herausforderungen, für die wir Lösungen suchen", sagten Schmidt und Stannartz. Und auch besondere Verkehrssituationen werden geprobt: Wie reagiert das Auto, wenn ein Baustellenfahrzeug mit Warnblicklicht die Straße blockiert?

Kein Luxusspielzeug

Für Lehrstuhlinhaber Torsten Bertram ist das Projekt keine Spielerei für Luxusautobesitzer. Autonomes Fahren ist für ihn ein wichtiger Baustein in der "Mobilität der Zukunft". "Es schafft mehr Freiheit: etwa für Menschen mit Einschränkungen oder in ländlichen Regionen mit mangelhafter Verkehrsanbindung."

Stand: 09.10.2019, 10:22