Ferienbetreuung: Städte kritisieren Kurzfristigkeit des Landesprogramms

Ein Kind schreibt mit Magnetbuchstaben das Wort "Schule" an eine Magnettafel.

Ferienbetreuung: Städte kritisieren Kurzfristigkeit des Landesprogramms

Von Mareike Maack

  • Dortmunds Schuldezernentin verärgert über fehlende Kooperation
  • Richtlinien für Förderprogramm sehr kurzfristig bekanntgegeben
  • Eine Grundschule in Recklinghausen will Landesprogramm umsetzen
  • GEW kritisiert Kurzfristigkeit des Förderprogramms

Um Eltern zu entlasten und ausgefallene Schulstunden nachzuholen, hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am vergangenen Donnerstag (18.06.2020) die Regelungen für ein umfangreiches Ferienprogramm bekannt gegeben.

Programm an 15 Werktagen

Das Förderprogramm der NRW-Landesregierung sieht vor, dass Schüler der ersten bis zur achten Klasse an 15 Werktagen täglich sechs Stunden Ferienangebote erhalten, die das sprachliche, motorische und soziale Lernen fördern. Auch das Mittagessen soll übernommen werden. 75 Millionen Euro Fördergelder stellt das Land dafür zur Verfügung.

Richtlinien erst seit letzter Woche bekannt

Für viele Städte kommen die Informationen für das Ferienprorgamm aber zu spät. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW) kritisiert die Kurzfristigkeit.

Die Stadt Dortmund beispielsweise hat bereits vor Wochen ein umfangreiches Ferienprogramm zusammengestellt, das auch Bildungsangebote an Schulen enthält. Das Förderprogramm vom Land spielt dabei aber erstmal keine Rolle. Zwar hatte das Land schon Anfang Juni angekündigt, dass Ferienprogramme gefördert werden sollen, bis vergangene Woche waren aber die Richtlinien dafür nicht klar.

Schneckenburger fordert mehr Kooperation

Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger zeigte sich darüber verärgert: "Bis Ende letzter Woche standen uns keine Ausführungsbestimmungen zum Förderprogramm zur Verfügung. So geht es nicht. Wir können nicht auf Zuruf arbeiten, unsere Träger brauchen eine angemessene Vorbereitungszeit", so Schneckenburger. Sie fordert vom Land eine bessere Kooperationskultur. 

Portrait Daniela Schneckenburger

Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger

Die Stadt Dortmund finanziert ihr eigenes Ferienangebot jetzt hauptsächlich durch eingesparte Kosten für das ohnehin geplante Ferienprogramm und ausgefallene Veranstaltungen. Neben Freizeitangeboten werden an einigen Grundschulen Lernförder-Programme umgesetzt. Die Richtlinien des Landes konnte die Stadt Dortmund dabei so kurzfristig aber nicht mehr umsetzen.

Kritik auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW) sieht die Probleme der Städte und kritisiert die Kurzfristigkeit des Landesprogramms. "Es ist einfach zu spät. Man muss befürchten, dass den Städten hinterher vorgehalten wird, dass die Gelder nicht abgerufen wurden, was sie aber wegen der Kurzfristigkeit eigentlich auch gar nicht konnten", so GEW-Sprecher Volker Maibaum. Für die Städte sei es zudem sehr schwierig überhaupt das Personal zu bekommen.

Weder Schüler noch Eltern einbezogen

So geht es auch den freien Trägern der Betreuungsangebote in Solingen, Wuppertal und Remscheid. Sie können das Geld nicht mehr abrufen. Der Remscheider Schuldezernent, Thomas Neuhaus, findet es ärgerlich, dass weder die Situation der Lehrer, der Schüler, noch der Eltern einbezogen worden sei. Die Träger fänden auf die Schnelle nicht genug Personal. Außerdem müssten neue Hygienekonzepte entwickelt werden. Er bezeichnet das Angebot des Ministeriums als einmaligen "Marketing-Gag".

Die Stadt Recklinghausen hat wegen der Kurzfristigkeit erstmal ein eigenes Ferienprogramm aufgestellt. Geplant ist aber, an der Grundschule "Im Romberg" das Landesprogramm mit den 15 Unterichtstagen anzubieten. "Weil die Richtlinien der Landesregierung so kurzfristig kamen, ist das aber alles noch nicht fix", so eine Sprecherin der Stadt.

Landesprogramm in Recklinghausen an einer Grundschule geplant

Man brauche mindestens zwei Wochen Vorbereitungszeit um so ein Programm auf die Beine zu stellen. Besonders das Organisieren der Betreuungskräfte brauche Zeit. Dafür sollen auch Studenten und Ehrenamtler eingesetzt werden. "Um die Kinder betreuen zu können, müssen sie aber ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, das müssen viele aber erst beantragen", so die Sprecherin.

15 bis 20 Kinder können betreut werden

Am kommenden Montag soll sich entscheiden, ob und wann das vom Land geförderte Ferienprogramm an der Grundschule "Im Romberg" in Recklinghausen starten kann. 15 bis 20 Kinder der ersten bis achten Klasse können dort dann betreut werden.

Geld soll auch für Herbstferien genutzt werden können

Das NRW-Schulministerium hat auf WDR-Anfrage angegeben, dass der Haushalts- und Finanzausschuss der Landestages NRW erst am 18. Juni in seiner Sitzung die Haushaltsmittel für die Ferienangebote in den Sommerferien freigegeben hat. Daher und aufgrund zahlreicher Abstimmungsprozesse habe die Förderrichtlinie für die Ferienangebote erst vor Kurzem veröffentlicht werden können. "Es besteht aber die Absicht, die Mittel auch für Angebote in den Herbstferien zur Verfügung zu stellen", so ein Sprecher des Schulministeriums.

Stand: 26.06.2020, 17:08