Feuerwehr beklagt unnötige Tier-Einsätze

Eine Katze jagt in den Bäumen

Feuerwehr beklagt unnötige Tier-Einsätze

Von Solveig Bader

  • Viele Tier-Rettungen durch Feuerwehr unnötig
  • Wertvolle Ressourcen verschwendet
  • Großstadt-Phänomen
  • Mehr Eigeninitiative der Bürger gefragt

Wenn ein Pferd in einen Graben gefallen ist oder ein Entenküken in einen Gully - dann kommt die Feuerwehr selbstverständlich zu Hilfe. Dazu ist sie verpflichtet. Doch Ulrich Bogdahn, Chef der Essener Feuerwehr, ärgert sich über zunehmende "Notfälle", die sich als harmlos entpuppen.

Unnötige Tierrettungen bremsen Feuerwehr aus

WDR 5 Morgenecho - Beiträge | 13.01.2018 | 03:13 Min.

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"Neulich hatte jemand angeblich eine Giftschlange im Garten gesehen und die 112 gewählt. Vor Ort stellten wir einen Schnürsenkel sicher". Ein ähnlich skurriler Fall: Ein besorgter Bürger rief an und berichtete der Feuerwehr, er habe in seinem Hausflur einen Skorpion gesehen. Dieser entpuppte sich beim Einsatz allerdings als Küchenschabe.

Die Katze im Baum braucht keine Feuerwehr

Auch die Katze im Baum kommt in der Regel von selbst runter, dafür müsse nicht die Feuerwehr kommen, so die Essener Feuerwehr. "Ein Katzenskelett im Baum habe ich nach 30 Jahren Tätigkeit bei der Feuerwehr noch nicht gesehen", scherzt Mike Filzen von der Essener Feuerwehr.

Verschwendung von Ressourcen

Wenn ein Bürger die Feuerwehr unnötiger Weise ruft, kostet ihn das in der Regel nichts. Anders wäre das nur, wenn man ihm Böswilligkeit nachweisen könnte. Dennoch entstehen Kosten: Ein Feuerwehrteam mit Löschfahrzeug kostet 260 Euro, mit Drehleiter kommen 500 Euro zusammen. Noch schwerer sind die Folgen, wenn die Feuerwehr aufgrund unnötiger Einsätze bei anderen, wirklichen Notfällen nicht schnell genug vor Ort sein kann.

Keine Übung im Umgang mit Tieren

Besonders die Menschen in der Großstadt seien den Umgang mit Tieren nicht gewohnt, so Ulrich Bogdahn von der Essener Feuerwehr. Eine Taube im Hausflur findet in der Regel von allein ihren Fluchtweg, wenn man die Tür öffnet. Die Feuerwehr sollte man nur rufen, wenn die Tiere verletzt sind oder sich tatsächlich in Gefahr befinden.

Mehr Mut zur Eigeninitiative

Von so vielen unnötigen Einsätzen wie ihre Kollegen in Essen kann die Düsseldorfer Feuerwehr nicht berichten. Was oft helfe: Am Telefon nachzufragen, sich die Situation genau beschreiben lassen. Dann könnten unnötige Einsätze oft vermieden werden. Aber im Zweifel gilt auch in der Landeshauptstadt: "Wir fahren lieber einmal mehr raus als zu wenig."

Was sich alle wünschen ist ein wenig mehr Eigeninitiative der Bürger und der Mut, sich Tieren zu nähern. Das gilt zumindest bei den offensichtlich nicht gefährlichen Exemplaren. Bei entlaufenen Krokodilen, Würgeschlangen oder Skorpionen bleibt es dabei: lieber 112 wählen.

Stand: 13.01.2018, 08:52