Fernwärmeleitung mit umgekehrter Fließrichtung

Steinkohlekraftwerk von Uniper (vormals EON) in Datteln

Fernwärmeleitung mit umgekehrter Fließrichtung

Von Peter Lautsch

  • Heißes Wasser fließt im „Rückwärtsbetrieb“
  • Versorgung auch ohne Datteln 4 gesichert?
  • Kohlekommission diskutiert Kraftwerkszukunft

Der Energieversorger Uniper hat seine neue Fernwärmeleitung in Betrieb genommen. Allerdings fließt das siedend heiße Wasser anders herum als geplant: Von alten Kraftwerken im Ruhrgebiet in Richtung Datteln. Eigentlich wollte Uniper 100.000 Haushalte im Ruhrgebiet mit Fernwärme beliefern, aus seinem neuen Kohlekraftwerk Datteln 4.

Pannen-Kraftwerk Datteln 4

Wegen Fehlern im Genehmigungsverfahren und technischer Pannen ist das Kraftwerk immer noch nicht am Netz. Provisorische Maßnahmen zur Versorgung der 2.000 Fernwärme-Anschlüsse in Datteln hat Uniper jetzt ergänzt durch die Inbetriebnahme der 14 Kilometer langen Leitung. Dadurch können pro Stunde bis zu 600 Tonnen heißes Wasser fließen. Für Datteln ausreichend "bei den derzeitigen Außentemperaturen“, sagt eine Uniper-Sprecherin.

In Zukunft Gaskraftwerke

Der "Rückwärtsbetrieb“ ist von der Bezirksregierung Münster genehmigt worden. Er könnte zum Dauerzustand werden. Das Unternehmen Steag baut in Herne ein neues Gaskraftwerk. Auch Uniper plant ein Gaskraftwerk am Standort Gelsenkirchen, wo jetzt noch ein Steinkohlekraftwerk steht. Deren Kapazitäten seien ausreichend, sagt Reiner Priggen, Energieexperte der Grünen und Mitglied der Kohlekommission: "Datteln 4 ist von der Fernwärme her überflüssig.“ Uniper bestreitet das: Die Fernwärme aus dem neuen Kraftwerk sei auf Dauer unverzichtbar.

Abschaltpläne für Kohlekraftwerke

Anfang Januar will die Kohlekommission vorschlagen, bis wann die Kohlekraftwerke in Deutschland vom Netz gehen sollen, gegen Entschädigung für die Betreiber. Auch Datteln 4 könnte, obwohl noch gar nicht in Betrieb darunter fallen.

Stand: 14.01.2019, 09:04