Ausgebremst: Eine Gelsenkirchener Fahrschule im Lockdown

Ein Fahrlehrer in grüner Jacke steht vor einem Fahrschulwagen.

Ausgebremst: Eine Gelsenkirchener Fahrschule im Lockdown

Von Inga Heidl

Der Fahrschulbetrieb in NRW ist aktuell eingeschränkt. Um sein Unternehmen in Gang zu halten, muss ein Fahrlehrer aus Gelsenkirchen an sein Privatvermögen gehen.

Volker Kessler sitzt in seiner Küche vor einer knallgrün gestrichenen Wand, vor sich auf dem Tisch liegen Laptop und Handy. Trotz Lockdown rufen Fahrschüler an, die sich für Prüfungen anmelden wollen.

Für die Theorie ist das dank Online-Unterricht noch recht einfach – bei der praktischen Ausbildung geht es nur in Ausnahmefällen.

Fahrschulbetrieb wieder hochgefahren

Das Land NRW hat den Fahrschulbetrieb "mit angezogener Handbremse" wieder hochgefahren: Wer mindestens 15 Pflichtstunden hinter sich hat oder beruflich auf den Führerschein angewiesen ist, darf hier Fahrstunden nehmen.

Volker Kessler ist froh über jede Fahrstunde, die er geben kann: „In allererster Linie bin ich natürlich auch Unternehmer und man muss schon sagen, dass es für viele gerade schwierig ist, zu überleben. Wir verbrennen im Moment unser Privatvermögen.“

Unterricht auf engstem Raum

Ein Aufkleber auf einem Gelsenkirchener Fahrschulauto zeigt einen Fußball, ein Auto, eine Zeche und ein Mottorad. Darunter steht: "Unser Revier seit 1973".

Volker Kessler betreibt Fahrschulen in Essen und Gelsenkirchen.

Unsicher fühlt sich Kessler im Auto nicht – Fahrschüler und Lehrer müssen dort FFP2-Masken tragen. Nach jeder Fahrstunde wird das Auto desinfiziert und ausgelüftet. Auch während der Fahrt sind die Fenster offen. „Gegen die Kälte hilft die Sitzheizung“, schmunzelt er. Als Brillenträger hat Kessler einen Tipp, wie man trotz Maske den Durchblick behält – „die Maske so weit wie möglich hochziehen und die Brille daraufsetzen, damit sie nicht beschlägt." 

Auch wenn 2020 für ihn kein Verlustjahr war – die aktuelle Situation bereitet Volker Kessler Sorgen. Auch unter seinen Kollegen sei die Stimmung aufgeladen. Dabei hätten die meisten den ersten Lockdown gut überstanden.

„Wir hatten anderthalb Monate lang Ausfälle, haben danach aber Gas gegeben.“ Die Soforthilfen, die Kessler im vergangenen Frühjahr bekommen hatte, muss er deshalb zurückzahlen.

Für die Dezemberhilfen erfülle er nicht die nötigen Kriterien. „So langsam müssen wir gucken, wie wir überleben. Ich habe gut gewirtschaftet und jetzt muss ich mich verschulden.“ Auch wenn er Verständnis für die aktuellen Maßnahmen habe – das fühle sich schon ungerecht an.

Auch Fahrschüler genervt vom Hin und Her

Volker Kessler schätzt, dass er im Moment etwa ein Viertel der Arbeit machen kann, die er sonst hat. Trotzdem müssen jeden Monat Leasingraten, Versicherungsbeiträge und Mieten bezahlt werden.

Und wenn man die Ausnahmeregeln etwas großzügiger auslegt, um mehr Fahrschüler zu unterrichten? Für Kessler kommt das nicht infrage. „Ich glaube aber schon, dass da Schmu mit getrieben wird. Wie will man das kontrollieren?“

Auch die Fahrschüler seien von der aktuellen Hängepartie gestresst. Viele ärgern sich laut Kessler über das Hin und Her bei den Vorgaben.

Dabei sei eine längere Pause zwischen den Fahrstunden gar nicht so dramatisch. „Es geht beim Fahren ja vor allem um motorische Fähigkeiten. Die gehen nach einer Pause nicht verloren.“ Trotzdem verstehe er es, dass die Fahrschüler ihre Stunden lieber am Stück machen wollen – „wenn auch nur fürs Gefühl."

Fahrschulen in Coronazeiten

WDR 5 Westblick - aktuell 21.01.2021 03:11 Min. Verfügbar bis 21.01.2022 WDR 5


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Stand: 22.01.2021, 10:48