Neues Facebook-Löschzentrum in Essen vorgestellt

Facebook-Löschzentrale in Essen

Neues Facebook-Löschzentrum in Essen vorgestellt

  • 500 Mitarbeiter durchsuchen Facebook
  • Zweites Zentrum in Deutschland
  • Ziel: strafbare und beleidigende Einträge entfernen
  • Arbeit für Mitarbeiter teils sehr belastend

In der Essener Innenstadt wurde am Donnerstag (23.11.2017) das neue Facebook-Löschzentrum vorgestellt. 500 Mitarbeiter durchforsten das Netzwerk in Zukunft, um Einträge zu entfernen, die gegen die Facebook-Standards verstoßen. Deutschlandweit ist das Essener Löschzentrum neben Berlin das zweite dieser Art.

Nach Angaben von Facebook aus dem Sommer 2017 werden allein in Deutschland monatlich ungefähr 15.000 Posts wegen Hassrede gelöscht. Am neuen Standort Essen wird das Netzwerk auf den Sprachen Arabisch, Türkisch, Kurdisch und Deutsch durchsucht. Ziel ist es, insbesondere Posts mit terroristischem Hintergrund sowie Fake-Accounts und Spam-Posts ausfindig zu machen und zu löschen.

Das Anfang Oktober in Kraft getretene Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internetplattformen, strafbare Hassreden schneller zu löschen. In klaren Fällen innerhalb von 24 Stunden.

"Wir haben Gemeinschafts-Standards nach denen gelöscht wird, beziehungsweise nach denen Inhalte überprüft werden. Diese werden weltweit vorgegeben, damit eben auch, wenn unterschiedliche Personen, die den Inhalt mehrmals melden, immer wieder die gleiche Entscheidung gefällt wird. Das kann beispielsweise eine Hassrede sein, das können Beleidigungen sein, etc.“, erkärt Facebook-Sprecher Klaus Gorny.

Hohe Belastung für Mitarbeiter

Chris Wojzechowski vom Institut für Internet-Sicherheit der FH Gelsenkirchen sieht im Lesen der entsprechenden Posts eine hohe Belastung für die Kontrolleure: "Da muss man schauen, wie man damit umgeht, mit den Arbeitsbedingungen. Was ist nötig, damit die Menschen, die dort arbeiten und die Beiträge löschen, nicht langfristige Schäden mitnehmen. So ein Enthauptungsvideo, was passiert, wenn man so was sieht und nicht verarbeiten kann. Da sollte man am Anfang eher mehr investieren und schauen, wie man solche Menschen gesund erhält bei der Arbeit.“ Im Essener Löschzentrum stehen den Mitarbeitern bei Bedarf vier Psychologen für Gespräche zur Verfügung.

Offene Fragen sieht der Sicherheits-Experte vor allem in Bezug auf die Kontrolle der Löschmechanismen. Es bleibe offen, wonach der jeweilige Mensch entscheide und ob nicht auch mal ein Beitrag gelöscht werde, der einfach unangenehm zu lesen sei oder nicht der Meinung des Mitarbeiters entspreche.

Bis zum Jahresende will Facebook für die Löschzentrale in Essen noch 100 weitere Mitarbeiter finden.

Stand: 23.11.2017, 15:10