Extraschicht im Ruhrgebiet: Der Pott leuchtet

Extraschicht im Ruhrgebiet: Der Pott leuchtet

  • 50 Partys an Orten der Industriekultur
  • 300.000 Besucher bei der Extraschicht
  • Nachts mit dem Kultur-Shuttle durchs Revier

Poetry im Brauereimuseum, Lasershow im Zechenschacht, Feuer-Jonglage im Hafenbecken und ein Klavierkonzert im Stahlwerk: Das sind nur vier von 50 Spielorten in 22 Ruhrgebietsstädten, die bei der Extraschicht einen überdimensionalen Schauplatz geboten haben - bespielt von 2.000 Künstlern.

Mit ihren Tickets konnten die Besucher den ganzen Abend kostenlos die vielen Shuttle-Busse benutzen und so von Spielort zu Spielort fahren. Und in diesem Jahr waren es besonders viele: Nach Veranstalterangaben kamen rund 300.000 Menschen kamen.

Soul und Kunst am Hafenbecken

Von Katja Goebel

Auch am Duisburger Innenhafen wurde die "Nacht der Industriekultur" zelebriert - mit Führungen zur Hafengeschichte, viel Musik und Avataren auf Stelzen.

Der Dusiburger Innenhafen abends, stimmungsvoll beleuchtet

Einst einer der wichtigsten Umschlagplätze für Getreide steht der Duisburger Innenhafen heute mit seinem restaurierten Speichergebäuden und Neubauten exemplarisch für den Strukturwandel im Ruhrgebiet - eine passende Kulisse für einen von 50 Spielorten bei der Extraschicht.

Einst einer der wichtigsten Umschlagplätze für Getreide steht der Duisburger Innenhafen heute mit seinem restaurierten Speichergebäuden und Neubauten exemplarisch für den Strukturwandel im Ruhrgebiet - eine passende Kulisse für einen von 50 Spielorten bei der Extraschicht.

Wer über die Uferpromenade des Innenhafens flaniert, kann nicht nur Kunst am Wegesrand, sondern auch moderne Gebäudefassaden neben alten Backsteinbauten entdecken. Bis tief in die Nacht nahmen Besucher der Extraschicht an Architekturführungen teil.

Jede Menge Musiker stimmten auf die Nacht der Industriekultur ein. Die Jungs von "Triobravo" tingelten mit ihren Instrumenten kreuz und quer auf dem Gelände herum, um an immer anderen Orten aufzuspielen.

Bei den Bläsern der Combo "Mr. Brassident" mussten die Zuhörer einfach mitwippen.

Wer Thomas Roth bei seiner Arbeit über die Schulter sehen wollte, hatte dazu einen ganzen Abend lang Gelegenheit. Mit Pinsel und Airbrush verwandelte der Künstler fünf Schaufensterpuppen in Kunstobjekte.

Jede seiner geschaffenen Figuren verkörperte am Ende ein Stück Duisburg. Diese rostende Dame mit blauer Bemalung symbolisiert den einstigen Stahlstandort am Rhein.

Gleich nebenan beschauliche Miniaturwelten - dem Revier nachempfunden.

Bis in den späten Abend flanierten die Besucher bei milden Temperaturen rund um den Innenhafen.

Begleitet wurden sie von Aktionskünstlern in phantasievollen Kostümen.

Diese mythischen Wesen gehörten zum Terbach Stelzen Ensemble.

In Duisburg gab es Konzerte auf gleich mehreren Bühnen. Gospel, Soul und Funk spielte das Micky Kamo Quartett mit Sängerin Lisa May aus den USA.

Abschied von der Kohle

Rührend wurde es bei der Extraschicht in Essen. Dort zelebrierten die Veranstalter den Abschied von der Steinkohle. Dabei zogen bergmännische Spielmannszüge über das Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein - heute längst Unesco-Welterbe.

Ein paar Kilometer weiter, auf Prosper Haniel in Bottrop wartete ein ganz besonders Highlight auf ein paar hundert Besucher: Für sie ging es mit dem rappelnden Förderkorb noch einmal ganz nach unten - 1000 Meter tief unter die Erde. Am 21. Dezember ist hier endgültig Schicht im Schacht - dann schließt die letzte Zeche.

Stand: 01.07.2018, 12:00