"Kritik der Corona-Krisen-Skeptiker nicht abtun"

Soziologe Johannes Weyer sitzt mit einem Tablet auf einer Bank

"Kritik der Corona-Krisen-Skeptiker nicht abtun"

Von Carmen Krafft

  • Viele Demos gegen Auflagen im Ruhrgebiet
  • Spektrum vom Verschwörungstheoretiker bis zum besorgtem Bürger
  • Experte: "Feindbilder durch Fakten entkräften"

Auch im Ruhrgebiet demonstrieren derzeit vielerorts Kritiker der Einschränkungen in Corona-Zeiten. Der Dortmunder Soziologe Johannes Weyer von der TU Dortmund warnt davor, die unterschiedlichen Gruppen dort pauschal als "Spinner" abzutun. Das sei wichtig, um deren Vorurteile nicht weiter zu befeuern, so Weyer in einem WDR-Interview am Mittwoch (13.05.2020).

WDR: Sie haben die Demonstrationen in Berlin, Dortmund und Essen unter die Lupe genommen. Wer trifft sich da?

Weyer: Eine sehr bunte Mischung von politisch rechts und links Orientierten, auch Radikalen, die aggressiv altbekannte Theorien verbreiten - aber eben auch Bürger der Mittelschicht, die die Auflagen unverhältnismäßig finden.

WDR: Eine gefährliche Mischung?

Wer sich die Chatverläufe der Gruppen anschaut und ihre Reden hört, findet dort die Verschwörungstheorien und die Idee, dass die Regierung die Corona-Krise nutzt, um einen Überwachungsstaat zu etablieren. Das ist blanker Unsinn, teilweise sind die Sorgen aber im Kern berechtigt.

Verschwörung statt Wissenschaft?

WDR 5 Politikum - Medienkolumne 13.05.2020 03:06 Min. Verfügbar bis 13.05.2021 WDR 5

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Inwiefern?

Viele vermissen offenbar mittlerweile die Orientierung, wo es hingeht. Anfangs war alles klar: "italienische Verhältnisse" mit vielen Corona-Toten sollen vermieden werden. Jetzt müssen Regierungen und Behörden erneut klare Ziele benennen und begründen. Sonst könnten mehr Bürger empfänglich werden für Feindbilder und abstruse Theorien, die einfache Erklärungen für komplizierte Zusammenhänge liefern.

Stand: 13.05.2020, 18:50