Eule in Herne aus Klebefalle gerettet

Eine Schleiereule mit verklebtem Gefieder

Eule in Herne aus Klebefalle gerettet

Von Katrin Puvogel

Verklebte Federn und keine Chance mehr, sich zu bewegen: Eine Schleiereule in Herne ist in eine Klebefalle geraten. Ein Passant hatte das Tier gefunden. Jetzt wird es in einer Auffangstation aufwendig vom Kleber befreit.

Das kleine Tier ist warm eingewickelt - und zwar gleich doppelt. Es steckt in einem Handtuch und das ist noch mal gut verpackt in der Jacke von Thorsten Kestner. Er kümmert sich um die Schleiereule, deren Federn völlig verklebt sind.

Die Schleiereule Paula hat verklebte Federn.

Die Klebefalle hat das Gefieder komplett verklebt.

Die Schleiereule ist in Herne in eine Klebefalle geraten. Ein Passant hatte sie entdeckt, jetzt ist sie hier in der Wildvogelauffangstation. Die Aufgabe: Den Kleber wieder aus den Federn rauskriegen. "Das ist nicht so leicht", erklärt Kestner. "Wir können ja keinen Nagellackentferner oder sowas nehmen - nichts, was nicht an die Haut des Vogels kommen darf."

Asche soll den Kleber austrocknen

Die Strategie stattdessen: Mit Asche versuchen, den Kleber zu trocknen und so aus den Federn zu lösen. Und das dauert. Kestner geht von bis zu 40 Behandlungen aus. "Am Anfang klebte der Kopf an der Brust und der Flügel an den Beinen. Wir mussten erst mal dafür sorgen, dass sie wieder stehen und fressen kann."

Die kleine Eule schlägt sich tapfer. In was sie da genau reingeraten ist, weiß der Stationsleiter noch gar nicht: "Zwei Federn haben wir eingeschickt. Die werden jetzt untersucht, damit wir wissen, welchen Gegner wir hier vor uns haben."

Kestner sieht keinen Vorsatz bei Klebefallen

Wer macht sowas? Die Frage kommt sofort in den Kopf, wenn man das verklebte Tier vor sich hat. "Ich glaube nicht, dass jemand absichtlich Schleiereulen fangen will. Keine Ahnung, was die Leute damit eigentlich kriegen wollen. Vielleicht Ratten oder so", sagt Kestner. Wütend macht ihn der Anblick von Eule Paula deshalb nicht.

Der Leiter der Auffangstation Thorsten Kestner steht vor einem grünen Baum, er trägt Brille und Kapuze

Stationsleiter Thorsten Kestner glaubt, dass die Vorfälle mit Klebefallen keine Absicht sind.

"Was mich eher aufregt: Wenn wir zum Beispiel Schwäne bekommen, denen Jugendliche einen Knoten in den Hals gemacht haben. Oder Vögel, aus denen ich Kugeln rausholen muss, weil die angeschossen wurden. Da steckt dann nämlich wirklich Vorsatz hinter." Zeit für Wut bleibt ihm aber eigentlich sowieso nicht: Pro Jahr landen rund 1700 Wildvögel in seiner Auffangstation.

Ein Jahr bis zur Auswilderung

Klebefallen sind dabei auch immer wieder ein Thema. Erst im Juni 2020 wurde ein Kauz zu Kestner gebracht, der sich verfangen hatte. Gefunden wurde er in einer Mülltüte. "Da haben wir auch lange gebastelt, bis wir den Kleber wieder rausgekriegt haben," erzählt Kestner.

Und das ist auch nur der erste Schritt. Bis die Tiere wieder ausgewildert werden können, dauert es mindestens ein Jahr. "Das liegt einfach daran, dass die Federn nicht so schnell nachwachsen, wie zum Beispiel das Fell von Hunden oder Katzen", sagt Kestner. "Und ich kann die Vögel erst in die Natur zurückgeben, wenn sie wieder perfekt fliegen können."

Links sitzt die gesunde Schleiereule Lusi neben der verklebten Eule Paula

Nach einem Jahr könnte Paula wieder so aussehen, wie Artgenosse Lusi.

Am Ende soll Paula wieder so aussehen, wie ihr Artgenosse Lusi. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg - für sie und für Stationsleiter Thorsten Kestner.

Stand: 04.03.2021, 17:47

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