Warmer Schlafplatz: Kältezelt für Essener Wohnungslose

Zwei große, blaue Zelte stehen auf dem Gelände des Rotkreuzes in Essen-Borbeck.

Warmer Schlafplatz: Kältezelt für Essener Wohnungslose

Von Sebastian Tischkov

Schon zum vierten Mal stellen Ehrenamtler warme Zelte für Menschen ohne Obdach bereit. Corona sorgt aber auch hier für Veränderungen.

Selbst in Winterjacke ist es an diesem Montag (28.12.) ganz schön kalt im Essener Stadtteil Borbeck. Selbst mit Winterjacke bekleidet, die Wetter-App zeigt nur vier Grad an. Für Menschen ohne Wohnung, ohne Obdach ist Kälte lebensgefährlich.

Das Kältezelt macht zwar erst bei Minusgraden auf – oder wenn es schneit. Trotzdem ist es eine besondere und wichtige Unterkunft: Hier dürfen die Wohnungslosen auch ihre Hunde mitnehmen. Das ist bei städtischen Einrichtungen nicht der Fall. Die Hunde werden hier sogar mit Futter versorgt, und natürlich bekommen auch die Wohnungslosen eine warme Suppe oder Obst. Eine Möglichkeit zu duschen gibt es für die Gäste ebenfalls.

Zwölf Schlafplätze auf 60 Quadratmetern

Auch wenn es noch nicht friert: Das Kältezeit muss bereit sein, denn der richtig harte und kalte Winter steht noch bevor. Seit vier Jahren bauen Ehrenamtliche das Zelt auf und richten es ein. Im ersten Jahr gab es noch ein ganz großes, weißes Zelt. Mittlerweile sind es zwei Zelte mit jeweils zehn Plätzen auf 30 Quadratmetern. Normalerweise, denn wegen Corona und der notwendigen Abstände dürfen nur sechs Wohnungslose pro Zelt unterkommen. Hingebracht in die Einrichtung des DRKs werden sie von der Initiative "Essen packt an“.

Ein Kältezelt für Obdachlose mit sechs Schlafplätzen.

In den Zelten selbst ist alles sehr einfach gehalten: Grauer Kunstrasen, Feldbetten, Schlafsäcke, zwischen den Betten Bänke und Tische, die durch Spenden finanziert wurden. Wenn die brandneue Heizung angeschlossen wird, dann ist es auch muckelig warm im Zelt. Elke Zbiera, die ehrenamtliche Projektleiterin, ist ziemlich stolz, dass sie das mit ihrer Truppe auf die Beine stellt: „Ganz viele super Kollegen, die das hier mittragen. Und dann macht das auch Spaß“, sagt sie. Mit der gemeinsamen Power brauchten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nur wenige Tage zum Aufbau. 

Umstellung wegen Corona

Die ungewöhnlichen Zeiten erfordern allerdings auch neue Maßnahmen. Ein gemeinsames Frühstück? Das geht wegen Corona gerade nicht mehr. Gegessen wird jetzt in den Zelten, dazu wird auch eine Durchreiche aufgebaut, damit sich die Wohnungslosen nicht im Gebäude sammeln. Gemütlich zusammensitzen im warmen Aufenthaltsraum? Leider gestrichen, weil es anders nicht möglich ist.

"Dieses 'Wir gehen da jetzt einfach mal rein', das wird dieses Jahr nicht stattfinden, einfach zum Schutz“, sagt die Projektleiterin vom Deutschen Roten Kreuz. Das Gelände muss eingezäunt werden, jeder wird einzeln reingelassen. Bei den Gästen wird Fieber gemessen und ein Fragebogen ausgefüllt. Bei Verdacht auf eine Corona-Infektion wird die Feuerwehr eingeschaltet. 

Vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel als Spenden

Ein Feldbett steht im Essener Kältezelt, darauf ein Schlafsack und ein Tisch mit einer Bank daneben.

Hygiene spielt noch eine viel wichtigere Rolle als sonst, ein neues Gerät zum Händewaschen wurde deshalb angeschafft, das besonders sparsam ist. Außerdem mussten verschiedene Genehmigungen vom Gesundheits- und Ordnungsamt her. „Wir sind glücklich, dass wir das Ganze so, wie wir es hier stehen haben, aufbauen können“, sagt Elke Zbiera.

Möglich wird das nur durch reichlich Spenden: Durch die Aktion eines Lebensmittel-Discounters etwa, aber auch durch Einzelspenden konnten die neuen Utensilien angeschafft werden. Auch Sachspenden, Lebensmittel und Hygieneartikel sind gefragt. Die Dankbarkeit bei den Helfern ist dafür umso größer, wie die Projektleiterin anmerkt: „Ich kann eigentlich nur danke sagen für diese immensen Spenden. Wir sind wirklich total geflasht.“

Wer auch helfen möchte, sollte vorher beim DRK fragen, was genau im Moment gebraucht wird und wie die Übergabe läuft.

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Stand: 28.12.2020, 20:02

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