Bochum lockt FIFA-Zocker an

eSport - "MoAuba" erster FIFA-Weltmeister aus Deutschland Sportschau 05.08.2019 00:32 Min. Verfügbar bis 05.08.2020 Das Erste

Bochum lockt FIFA-Zocker an

  • Bochumer ist FIFA-19-Champion
  • Zentum der E-Sport-Szene
  • Sportpolitik fremdelt

Deutschland ist wieder Weltmeister - in der Fußball-Simulation FIFA 19. Profi-Zocker Mohammed Harkous aus Bochum sicherte sich den Titel am Sonntag (04.08.2019) beim FIFA eWorld Cup in London. "Das habe ich nicht erwartet. Ich wollte eigentlich nur weit kommen und ein bisschen Geld einsacken", so der 22-jährige Überraschungssieger.

Harkous, seit 2018 bei der E-Sport-Abteilung von Werder Bremen unter Vertrag, erhält ein Preisgeld von 250.000 Dollar und ein Auto. Der Erfolg könnte auch ein bisschen auf seine Heimatstadt abfärben: Bochum ist eine der Hochburgen der deutschen E-Sport-Szene, insbesondere für die Fußball-Simulation mit dem FIFA-Logo. Mehrere Profis leben hier oder kommen regelmäßig in die Stadt.

Schnelles Internet für die ganze Stadt

Ein Grund dafür ist die in Bochum ansässige Berateragentur "Stark Esports", die sich auf die Betreuung von FIFA-Spielern spezialisiert hat und Talente an die neuen digitalen Abteilungen der Bundesligaklubs vermittelt. Für die E-Sport-Szene ist die Ruhrgebietsstadt in jüngster Zeit interessanter geworden: Als erste deutsche Stadt bietet Bochum seit 2018 Unternehmen und Privathaushalten flächendeckend schnelles Internet mit Download-Raten von bis zu 1.000 MBit/s und 50 MBit/s im Upload an. Ein wichtiges Argument für Profi-Spieler, bei denen kleinste Online-Aussetzer über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

Bundesligaklubs wollen dabei sein

Auch der VfL Bochum engagiert sich seit 2017 mit einer eigenen E-Sport-Abteilung - damals als erster deutscher Zweitligaklub überhaupt. Sponsor ist das Unternehmen Unitymedia, das auch für den Breitbandausbau in Bochum verantwortlich war. In der virtuellen Liga sind auch andere Klubs aktiv, zum Beispiel die NRW-Vereine FC Schalke 04, 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen.

Obwohl jede Woche Millionen Fans mit den E-Sport-Profis mitfiebern, fremdelt die offizielle Sportpolitik nach wie vor mit dem Phänomen. Zwar hatte die NRW-Landesregierung bereits 2018 beschlossen, die Games-Branche intensiv zu fördern. Allerdings stehen dafür nur überschaubare drei Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Ruf nach Gleichberechtigung

Lobby-Organisationen wie der Esport-Bund Deutschland fordern derweil die Anerkennung von Gaming als Sport - und damit alle steuerrechtlichen Privilegien, die auch traditionelle Sportvereine genießen. Derzeit sieht es aber nicht so aus, als stünde eine gesetzliche Neudefinition des Sportbegriffs unmittelbar bevor. Dabei gäbe es einen alten Präzedenzfall: Schach ist wegen der historischen Mitgliedschaft der Spieler im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ein anerkannter Sport.

Stand: 05.08.2019, 21:33

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