Ermittlungen gegen Chef des Klinikums Dortmund

Ermittlungen gegen Chef des Klinikums Dortmund

Von Dirk Planert

  • Mintrop war Geschäftsführer am Klinikum Oldenburg
  • Krankenpfleger Högel hat dort gemordet
  • Ermittlungen wegen Totschlags durch Unterlassen

Gegen den Geschäftsführer des Klinikums Dortmund, Rudolf Mintrop, wird nach WDR-Informationen wegen Totschlags durch Unterlassen ermittelt. Das Verfahren steht in Zusammenhang mit der wohl größten Mordserie in der Geschichte der Bundesrepublik. Es geht um den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel, dem mindestens 106 Morde an Patienten in Niedersachsen vorgeworfen werden.

Mintrop soll vom Verdacht gewusst haben

Rudolf Mintrop war Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, als der Krankenpfleger Högel dort angefangen hatte zu morden. Verantwortliche, auch die Geschäftsführung, sollen wegen häufiger Todesfälle Verdacht geschöpft und trotzdem geschwiegen haben.

Rudolf Mintrop

Rudolf Mintrop, Chef des Klinikums Dortmund

Högel hatte Patienten Medikamente gespritzt, um sie dann reanimieren zu können. Laut Polizei wusste Klinikchef Mintrop von dem Verdacht. Demnach wurde Högel ein gutes Zeugnis versprochen, wenn er freiwillig geht.

In Delmenhorst mordete Högel weiter

Außenansicht Klinik Delmenhorst

Ein Tatort: das Klinikum Delmenhorst

Im neuen Job im Klinikum Delmenhorst, das Mintrop ebenfalls leitete, mordete Högel drei Jahre lang weiter, bis er aufflog. Mindestens 65 Morde hätten verhindert werden können, sagt die Kripo. "Hätten wir Hinweise gehabt, hätten wir ihn geschnappt." Anfang 2019 soll entschieden werden, ob Anklage gegen Mintrop erhoben wird.

Strichliste des Todes

Bereits im Jahr 2001 war im Klinikum Oldenburg aufgefallen, dass die Anzahl der Reanimationen und Todesfälle signifikant gestiegen war. Daraufhin wurde auf einer Station eine Strichliste geführt. Högel lag mit großem Abstand vorn.

Der Leiter der Soko Kardio, Arne Schmidt, sagte: "Die damalige Geschäftsführung war sich im Klaren darüber, dass Högel in unzulässiger Weise auf die Patienten eingewirkt hat."

Hinterbliebene sehen Klinikleiter Mintrop in der Verantwortung

Frank Brinker: Sohn eines Mordopfers

Frank Brinker: Sohn eines Mordopfers

In einer Nacht 2001 mussten 14 Reanimationen durchgeführt werden. Fünf Menschen starben. Einer war der Vater von Frank Brinkers. Angesprochen auf Mintrop sagt er: "Das Schweigen, das Vertuschen, es hätte einer sofort zur Polizei gehen müssen. Irgendjemand hat da definitiv die ganze Zeit weggeschaut."

Mintrop erfolgreicher Sanierer

Auf unsere Fragen hat Rudolf Mintrop geantwortet, er könne sich erst am Montag (26.11.2018) damit befassen. Den "Ruhr Nachrichten" sagte er, er habe bisher keine Akteneinsicht gehabt. Mit dem Wissen von damals sehe er nicht, wie er sich hätte anders verhalten können. Sein tiefes Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer.

Seit 2012 ist Rudolf Mintrop Geschäftsführer des Klinikums Dortmund und gilt als erfolgreicher Sanierer. Als er kam, war das Klinikum kurz vor der Pleite. Jetzt schreibt es schwarze Zahlen.

Ermittlungen gegen Chef des Klinikums Dortmund

00:36 Min.

Stand: 23.11.2018, 07:28