Antisemitische Demo: Teilnehmer in Gelsenkirchen ermittelt

Antisemitische Demo: Teilnehmer in Gelsenkirchen ermittelt

Nach der antisemitischen Demonstration in Gelsenkirchen meldet die Polizei erste Ermittlungserfolge. Es wurden mittlerweile zwei Tatverdächtige identifiziert.

Am Mittwochabend demonstrierten rund 180 Menschen vor einer Synagoge und riefen in Sprechchören judenfeindliche Parolen. Es laufen Ermittlungen wegen Volksverhetzung, auch der Staatsschutz ist eingeschaltet. Bei einem der zwei identifizierten Tatverdächtigen handelt es sich laut NRW-Innenminister Herbert Reul um einen 26-jährigen Deutsch-Libanesen aus Gelsenkirchen.

Die Polizei ist zuversichtlich, dass weitere Teilnehmer ermittelt werden können. Die Behörden gehen zurzeit zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Es gibt von der unangemeldeten Veranstaltung einige Videos. Auf diesen sind überwiegend junge arabisch aussehende Männer zu erkennen und Personen, die Türkeiflaggen schwenken. Dem WDR liegen Informationen darüber vor, dass sich eine Lehrerin bei der Polizei gemeldet haben soll. Sie habe Schüler erkannt.

Rund 120 Menschen bei Mahnwache in Gelsenkirchen

Demonstrantin in Gelsenkirchen mit Plakat "Antisemitismus bekämpfen"

"Antisemitismus bekämpfen! Egal von wem es kommt! #NieWieder" steht auf dem Plakat einer Demonstrantin in Gelsenkirchen

Eine Initiative gegen Antisemitismus veranstaltete am Freitagnachmittag eine Mahnwache vor der Synagoge, an der rund 120 Menschen teilnahmen. Manche Teilnehmer kamen mit Israel-Flaggen, andere trugen Schilder mit der Aufschrift "Nie wieder". Es waren viele junge Menschen und auch Muslime vor Ort, um ihre Unterstützung für die jüdische Gemeinde zu zeigen.

Polizeieinsatz wird auf mögliche Fehler überprüft

Die Polizei musste bei der unangekündigten antisemitischen Demonstration am Mittwoch die Synagoge in Gelsenkirchen absichern, löste den Protestzug aber nicht auf und nahm vor Ort niemanden fest. Das sorgt für massive Kritik. NRW-Innenminister Reul verteidigt das Vorgehen der Beamten. Die Demonstration sei spontan gewesen, die Polizei deswegen überhaupt nicht vorbereitet. Trotzdem wird der Einsatz auf mögliche Fehler hin überprüft.

Israelische Flaggen in mehreren NRW-Städten verbrannt

Auch in anderen Städten in NRW kam es in den vergangenen Tagen zu antisemitischen Vorfällen. Auf die Israel-Fahne am Düsseldorfer Rathaus ist am Donnerstagabend ein Brandanschlag verübt worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Einen Verdächtigen gibt es noch nicht.

In Bonn warfen am Dienstag mehrere Menschen Steine auf die Bonner Synagoge und zündeten eine israelische Flagge an. Drei Tage nach dem Angriff hält jetzt ein Bürger symbolisch Wache vor dem Gebäude. Seit dem Morgen sitzt er auf einem Stuhl vor der Synagoge - so lange, bis er von jemandem abgelöst wird. Der Mann sagt, er protestiere damit gegen die Gewalt gegen Juden in Deutschland.

Kundgebung und Stellungnahme nach Vorfällen in Solingen

In Solingen rissen in der Nacht zu Donnerstag Unbekannte die israelische Flagge vor dem Rathaus ab und verbrannten sie. Die Stadt hatte die Flagge als Zeichen gegen Antisemitismus gehisst, um an den Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu erinnern. „Diese schändliche Tat ändert nichts an unserer Haltung", erklärt Oberbürgermeister Tim Kurzbach in einer Mitteilung, „wer glaubt, mit dem Verbrennen einer Fahne unsere Solidarität erschüttern zu können, täuscht sich“.

Unbekannte haben außerdem in einer Unterführung am Solinger Hauptbahnhof "Free Palestine" an die Wand gesprüht. In beiden Fällen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Die Stadt setzte am Nachmittag mit einer Kundgebung ein Zeichen gegen Antisemitismus.

Stand: 14.05.2021, 18:42