Ennepetaler Firma wehrt sich gegen PCB-Kritik

Der Ennepetaler Chef der Firma BIW Ralf Stoffels präsentiert in seiner Werkshalle seine chlorfreie Produktion

Ennepetaler Firma wehrt sich gegen PCB-Kritik

Von Daniel Chur

Der Silikonhersteller BIW wehrt sich gegen die Kritik des Ennepe-Ruhr-Kreises. Der hatte angemahnt, dass die Firma zuletzt weiterhin gesundheitsgefährdende PCB ausgestoßen habe.

2021 wolle man PCB-frei produzieren - diese Worte, vor einem Jahr von BIW-Chef Ralf Stoffels gesprochen, sorgen nun für Diskussionen in Ennepetal. Denn: Die zuletzt bekannt gewordenen Messungen sahen für die Kreisverwaltung anders aus.

Seit über einem Jahr steht die Firma in der Kritik, weil sie durch das Verwenden von Chlor in der Produktion gesundheitsgefährdende Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, in die Luft stößt. Das Landesumweltamt misst seitdem regelmäßig die Werte rund um BIW.

Angst vor Erkrankung

Anwohner in Ennepetal leben schon länger in Angst, sie könnten zum Beispiel an Krebs erkranken. Für sie waren die zuletzt vom Kreis veröffentlichten Ergebnisse daher ein Schock.

Grühnkohlblätter mit Messer und Erde

Grünkohl gilt als wichtiger Indikator für PCB-Werte

Sowohl in Luftmessungen als auch in der Auswertung von Grünkohl-Proben zeigte sich, dass die PCB-Werte in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder gestiegen waren, nachdem sie in der ersten Hälfte zunächst rückläufig waren.

Aktuelle Zahlen seien anders

Hatte BIW sein Versprechen nicht gehalten, die Produktion komplett auf chlorfrei umzustellen? Diese Frage warf Landrat Olaf Schade öffentlich auf. Gleichzeitig empfahl er den Anwohnern, weiterhin kein selbst angebautes Obst und Gemüse zu verzehren.

Industriegebiet Ennepetal

BIW produziert in einem Ennepetaler Industriegebiet

In einem Pressegespräch am Montagnachmittag reagierte nun BIW-Chef Ralf Stoffels. Tenor: Der Kreis lege die Messdaten falsch aus. Im Herbst seien die Werte zwar höher gewesen, weil aber insgesamt mehr produziert wurde, als in der ersten Jahreshälfte. Damals seien durch den Ausbruch der Corona-Pandemie die Aufträge deutlich zurückgegangen.

In der zweiten Jahreshälfte habe man aber wieder mehr Aufträge gehabt. Bei vielen Produkten konnte man da schon ohne Chlor, also PCB-frei, produzieren. Bei einigen anderen aber noch nicht.

Beatmungsschläuche als Knackpunkt

Neben Produkten für die Automobilbranche seien dies vor allem Beatmungsschläuche gewesen. Weil diese auf Corona-Intensivstationen dringend gebraucht werden, sei man sogar gesetzlich verpflichtet, die Schläuche herzustellen - auch heute noch.

Mittlerweile würden sie aber nur noch einen kleinen Teil der Produktion ausmachen und als einzige eine weitere Produktion mit Chlor erfordern, so Stoffels: "Damit liegt unsere PCB-Emission ab jetzt nur noch bei einem Prozent." Die nächsten Messgebnisse werden dazu Aufschluss geben.

"Unternehmen hält sich an Recht und Gesetz"

Unabhängig davon steht aber auch fest: Eine rechtliche Handhabe wird es für den Kreis nicht geben, da es für die in Ennepetal festgestellte PCB-Sorte keine vorgeschriebenen Grenzwerte gibt und mehrere Experten sie als eher unbedenklich bewerten.

"Das Unternehmen hält sich an Recht und Gesetz", betont Landrat Olaf Schade. Ralf Stoffels hadert trotzdem mit der Darstellung des Kreises: "Wenn man mit einem so großen Aufwand seine Produktion umstellt und jetzt dargestellt wird, als halte man Zusagen nicht ein, greift einen das schon emotional an."

Stand: 01.03.2021, 17:11