Kein Urteil: Loveparade-Prozess eingestellt

Kränze liegen in Duisburg vor der Gedenkstätte für die Opfer des Loveparade-Unglücks.

Kein Urteil: Loveparade-Prozess eingestellt

Von Dominik Peters

  • Prozessende ohne Urteil
  • Gericht verliest Begründung
  • Nebenkläger hatten weitere Aufklärung gefordert

Das Landgericht Duisburg hat den Prozess zur Loveparade-Katastrophe eingestellt. Die Entscheidung hat die 6. Große Strafkammer am Montag (04.05.2020) bekannt gegeben. Damit endet einer der aufwendigsten deutschen Gerichtsprozesse der Nachkriegszeit nach 184 Prozesstagen ohne Urteil.

Schuld der Angeklagten "gering"

Für die Angeklagten gelte "weiterhin die Unschuldsvermutung", so der vorsitzende Richter Mario Plein. Die Corona-Pandemie sei allerdings nicht der Einstellungsgrund: "Wir stellen ein, weil wir der festen Überzeugung sind, dass die Schuld der Angeklagten gering ist."  

Am Ende kam das Gericht zu der Erkenntnis, dass man den komplexen Sachverhalt nicht weiter aufklären könne, als bis zum jetzigen Zeitpunkt geschehen. "Es ist aus meiner Sicht alles geklärt", so der Richter. Staatsanwaltschaft und Angeklagte hatten der Einstellung vorher bereits zugestimmt. Die Nebenkläger hatten für eine Fortsetzung plädiert.

Begründung des Richters dauerte drei Stunden

In der knapp dreistündigen Begründung legte der Richter dar, welche Erkenntnisse der Prozess hervorgebracht hat. Dabei beschrieb er detailliert, was zu welchem Zeitpunkt an den laut Gericht "neuralgischen Punkten" an den Eingängen und auf der Rampe geschah. "Ausgangspunkt ist aus unserer Sicht eine fehlerhafte Planung und Ausführung", sagte der Richter.

Allerdings sei neben den Angeklagten eine Vielzahl von Personen und Institutionen an der Planung beteiligt gewesen: "Da haben sicherlich auch andere Fehler gemacht." So sieht es das Gericht als "hinreichend wahrscheinlich" an, dass eine Polizeikette auf der Zugangsrampe die Situation mit verschärft haben dürfte.

Richter wendet sich an Mutter von Verstorbenem

Gerichtet an die im Saal anwesende Mutter eines Verstorbenen sagte Mario Plein, er könne sich "vorstellen, dass der heutige Tag für sie schwer ist." Das Loveparade-Unglück sei allerdings eine Katastrophe ohne Bösewicht: "Wir haben ihn jedenfalls nicht gefunden." Das Wesentliche sei, "dass wir erklären können, wie es zu dieser Katastrophe gekommen ist."

Die Mutter zeigte sich nach dem Ende des Prozesses enttäuscht. Andererseits sei sie "froh, dass es überhaupt zu einem Prozess gekommen ist." Das Gericht habe letztendlich die Scherben einer misslungenen Ermittlungsarbeit zusammengekehrt. Sie brauche nach dem Prozessende erst einmal Zeit, "aber irgendwie muss es ja weitergehen." Nebenklage-Anwalt Julius Reiter kommentierte: "Dies ist ein schlechter Tag für die Justiz".

Mammutprozess anfangs mit zehn Angeklagten

Der Loveparade-Prozess galt als einer der aufwendigsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er hatte im Dezember 2017 begonnen – mehr als sieben Jahre nach dem Unglück. Seit Beginn des Prozesses drängte die Zeit. Die Vorwürfe gegen die verbliebenen drei Angeklagten wären Ende Juli 2020 verjährt.

Ursprünglich waren insgesamt zehn Mitarbeiter von Stadt und Veranstalterfirma Lopavent unter anderem wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ihnen wurden Fehler in der Planung und Genehmigung der Veranstaltung vorgeworfen. Gegen sieben Angeklagte wurden die Verfahren bereits im Februar 2019 eingestellt.

Bei der Loveparade in Duisburg waren am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 650 wurden verletzt. 

Loveparade-Prozess ohne Urteil: "Das Gericht hat alles versucht"

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.05.2020 05:17 Min. Verfügbar bis 04.05.2021 WDR 5

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Stand: 04.05.2020, 19:36