Meilenstein für Emscher: Pumpwerk in Oberhausen eingeweiht

Das Pumpwerk in Oberhausen

Meilenstein für Emscher: Pumpwerk in Oberhausen eingeweiht

Von Jolien Wagner

Der Emscher-Umbau steht nach rund 30 Jahren vor dem Abschluss. Heute wurde das Pumpwerk in Oberhausen im Beisein von NRW Ministerpräsident Armin Laschet eröffnet – ein Meileinstein.

In Oberhausen stieg am Freitag (20.08.2021) die Spannung, denn dort wurde das neue Pumpwerk feierlich in Betrieb genommen. Es gilt als das größte seiner Art für Schmutzwasser in Deutschland und ist prägend für den Umbau der Emscher und ihrer Renatuierung.

Laschet dreht die Kurbeln

Dieses besondere Ereignis hat sich auch NRW's Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet nicht nehmen lassen. Er legte selbst Hand an und bediente symbolisch die großen Pumpen. Er sagt: "Ich kenne kaum ein solch großes Projekt in ganz Deutschland. Mit der Inbetriebnahme des Pumpwerks hier in Oberhausen, wird die Emscher nach 150 Jahren wieder abwasserfrei."

Ein Fluss voller Fäkalien

Einst wurden in die Emscher Fäkalien geleitet - ebenfalls einmalig in Deutschland. Mittlerweile hat die Emschergenossenschaft aber ein modernes Kanalsystem unter die Erde verlagert. Dorthin soll künftig das gesamte Schmutzwasser geleitet werden, damit die Natur die Chance hat, sich ihren Fluss nach und nach zurückzuholen.

Plötzlich Freude über Abwasser

Das massive Pumpwerk von innen

Das massive Pumpwerk von innen

Während schließlich alle gebannt auf das Abwasser warteten, das einst das Gebiet um die Emscher in eine stinkende Kloake verwandelt hatte, hat der Emscher-Umbau damit eine seiner letzten Hürden genommen. "Es waren visionäre Leute, die gesagt haben, wir werden diesen Fluss sauber machen", führt Laschet fort. "Sie alle können darauf stolz sein." Jetzt gelte es, die 350 Kilometer der Emscher und ihrer Nebenflüsse zu renaturieren und wieder zu einem lebendigen Gewässer zu machen.

Das unterirdische Abwassersystem erstreckt sich über 51 Kilometer quer durch das Revier, beginnend in Dortmund bis kurz vor die Rheinmündung bei Dinslaken. Zehn gewaltige Maschinen sorgen dafür, dass aus 40 Metern tiefe 16.500 Liter pro Sekunde gefördert werden. Das entspricht einer Menge von täglich acht Millionen Badewannen.

Viele Projekte entlang der Emscher

Armin Laschet bekommt eine Kiste mit Wein vom Chef der Emschergenossenschaft, Uli Paetzel, geschenkt

Original Emscherwasser

Der gigantische Umbau der Emscher hat fünfeinhalb Milliarden Euro gekostet. Das ist ein Viertel mehr als ursprünglich geplant. Ein Großteil wird von den Abwassergebühren finanziert, also vom Bürger selbst. Im Gegenzug bekommt das Ruhrgebiet aber seine Emscher mit all ihren Facetten zurück.

Und der Emscherumbau hat auch viel Neues gebracht. Es gibt mittlerweile sogar Wein, der an der Emscher angebaut wird. Zur Eröffnung des Pumpwerks bekam der Ministerpräsident neben einer Flasche des Emscherweins auch eine Flasche mit original Emscherwasser überreicht. Im Gegensatz zum Wein ist das Wasser natürlich nicht für den Verzehr gedacht. Außerdem gibt es seit Beginn des Umbaus zahlreiche Kunstprojekte rund um den Fluss und junges Publikum, das sich für Natur im Ruhrgebiet begeistern kann – beispielsweise im Blauen Klassenzimmer in Gladbeck.

Stand: 20.08.2021, 18:15