Ehrenamtliche begleiten Sterbende auf ihrem letzten Weg

Eine Hand liegt auf einer anderen Hand

Ehrenamtliche begleiten Sterbende auf ihrem letzten Weg

Von Jana Brauer

  • Projekt im Bochumer Knappschaftskrankenhaus gestartet
  • Kein Patient soll auf Intensivstation alleine sterben müssen
  • Mitarbeiter setzen sich ehrenamtlich ans Bett

"Einfach da sein, das ist ein inneres Bedürfnis von mir", so begründet Alexandra Herfurth ihre Teilnahme am Projekt "Bei uns geht keiner allein" im Bochumer Universitätsklinikum Knappschaftkrankenhaus. Herfurth arbeitet dort eigentlich als Sekretärin.

Niemand möchte alleine gehen

Seit Anfang des Jahres engagieren sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichsten Bereichen des Krankenhauses als ehrenamtliche Sterbebegleiter auf der operativen Intensivstation.

Das bedeutet, wer sich wie Alexandra Herfuth engagieren möchte, gibt Tage an, an denen man auf Abruf bereit ist. Liegt an einem dieser Tage ein Patient auf der Intensivstation alleine im Sterben, wird man gerufen. "Möchte man allein gehen? Nein, das möchte keiner", sagt die ehrenamtliche Sterbebegleiterin überzeugt.

Einfach da sein, darum geht es

Alexandra Herfuth wurde im ersten halben Jahr des Projekts noch nicht gebraucht. Angst vor ihrem ersten Einsatz hat sie nicht: "Man kann es nicht vorbereiten. Man kann begleiten – nicht mehr und nicht weniger."

Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Bochumer Knappschaftskrankenhaus

Professor Michael Adamzik vom Bochumer Knappschaftskrankenhaus

Einfach da zu sein, genau darum geht es dem Initiator des Projekts Professor Michael Adamzik. Er ist Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Bochumer Knappschaftskrankenhaus.

Studierende, Elektriker, Küchenhilfen – viele Menschen machen mit

Professor Adamzik wollte dafür sorgen, dass auf seiner Station kein Patient mehr versterben muss, ohne jemanden am Bett sitzen zu haben, der seine Hand hält. Er ist überzeugt, dass die Patienten dies noch spüren können. Ende vergangenen Jahres wurde beschlossen, seine Idee umzusetzen.

"Wir wollen einfach nur, dass da jemand im Raum ist und Nächstenliebe zeigt", so der Mediziner. Mittlerweile hätten sich mehr als 30 Krankenhausmitarbeiter angemeldet. Darunter Studierende, Elektriker, Raumpfleger, Küchenhilfen, aber auch Ärzte und Pflegepersonal.

Die Teilnehmer brauchen keine Ausbildung oder Vorerfahrung, jeder kann mitmachen. "Sich an ein Bett zu setzen, wo man den Sterbeprozess begleitet, kann richtig zufrieden und glücklich machen", schildert Professor Adamzik seine persönliche Erfahrung.

Signal der Menschlichkeit

Organisiert wird die ehrenamtliche Sterbebegleitung von Martin Schwertner, dem pflegerischen Leiter der operativen Intensivstation. Für ihn bringe das Projekt mehr Menschlichkeit auf eine hoch technische, aufwendig arbeitende Station.

Bislang kommt es nicht allzu häufig vor, dass Patienten alleine, ohne Angehörige auf der Intensivstation versterben. Für diese Fälle soll aber vorgesorgt sein. Genauso wie für die ehrenamtlichen Sterbebegleiter. "Das macht ja was mit einem, wenn man sich dahin setzt", sagt Martin Schwertner. Deshalb stünden der Seelsorger und Psychologen des Hauses bereit, wenn Projektteilnehmer Redebedarf haben sollten.

Kein zeitlich begrenztes Projekt

"Bei uns geht keiner allein" ist Professor Adamzik zufolge kein zeitlich begrenztes Projekt. "Der Mensch wird immer bei uns sterben und wir hoffen, dass wir dem gerecht werden und den auch immer begleiten.“

Er würde sich freuen, mit der ehrenamtlichen Sterbebegleitung ein Vorbild für andere Stationen im Bochumer Knappschaftskrankenhaus zu sein.

Sterbende nicht alleine lassen WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 14.07.2020 03:42 Min. Verfügbar bis 13.07.2021 WDR 5 Von Jana Brauer

Wenn Menschen auf der Intensivstation alleine sterben, beschäftigt das auch das Personal. Der Direktor der Bochumer Intensivmedizin und seine Kollegen haben deshalb das Projekt "Bei uns geht keiner allein" gegründet. Jana Brauer war dort.

Stand: 14.07.2020, 06:00