Schlag gegen Kriminelle des Miri-Clans im Ruhrgebiet

Die Polizei durchsucht ein Wohnhaus in Bochum

Schlag gegen Kriminelle des Miri-Clans im Ruhrgebiet

Die Polizei hat in mehreren Städten Häuser und Wohnungen des libanesisch-stämmigen Miri-Clans durchsucht. Dabei ging es um Beweise für den Handel mit Kokain und Waffen.

Großeinsatz am frühen Donnerstagmorgen: Polizisten haben insgesamt 21 Häuser und Wohnungen durchsucht, 18 davon in Dortmund. Auch auch in Werl (Kreis Soest) und Bochum waren Polizisten zeitgleich im Einsatz. Die Razzia richtete sich gegen Mitglieder des in Dortmund ansässigen Miri-Clans und weitere Tatverdächtige. Die Ermittler werfen ihnen den bandenmäßigen Handel mit Kokain im zweistelligen Kilogramm-Bereich sowie Verstöße gegen das Waffengesetz vor.

Clan-Chef hat sich abgesetzt

Der 35 Jahre alte Clan-Chef habe sich allerdings nach Spanien abgesetzt und konnte dort nicht wie geplant festgenommen werden, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Thomas Manthei. Nach ihm werde weiter mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ein ebenfalls mutmaßlich an den Drogengeschäften beteiligter Bruder des Clan-Chefs sollte noch am Donnerstag aus Albanien ausgeliefert werden.

Ermittlungen gegen Clan seit Herbst

Grundlage für die Großrazzia am Donnerstag ist ein seit Oktober 2020 geführtes Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität. Die Maßnahmen und Ermittlungen sind laut Polizei noch nicht abgeschlossen. Bis zum Donnerstagvormittag wurden sieben Haftbefehle gegen die Führungsebene des Dortmunder Miri-Clans vollstreckt. Außerdem stellten die Beamten Beweismittel sicher, darunter geringe Mengen Betäubungsmittel. Zuvor war es den Ermittlern gelungen, zehntausende Chats des Kurznachrichtendienstes Encrochat zu entschlüsseln, den vor allem Kriminelle nutzen.

Kokain-Lager in Dortmund und Werl

Rund 17 Kilo Kokain liegen auf einem Tisch.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die kriminelle Gruppe insgesamt zwölf Personen umfasst. Sie sollen in Dortmund und Werl je ein Zwischenlager für Kokain betrieben haben. Die Drogen sollen sie selbst hergestellt und als angeblich peruanisches und damit gewinnbringenderes Kokain weiter verkauft haben.

Wer ist der Miri-Clan?

Zum Miri-Clan rechnen die Ermittler bundesweit etwa 30 Familien mit rund 3.000 Personen. Der Clan gehört zur Volksgruppe der Mhallamiye. Von ihnen leben schätzungsweise 15.000 in Deutschland. Die ersten Generationen stammen aus einem Gebiet, das nach dem Ersten Weltkrieg zur Türkei gehörte. Viele dieser Kurden flüchteten in den Zwanziger- und Vierzigerjahren in den Libanon. Während des libanesischen Bürgerkriegs flüchteten die Mhallamiye-Kurden in einer dritten Welle erneut, oft nach Berlin, Bremen und Essen.

Mafiöse Strukturen

Der Miri-Clan ist eng mit der organisierten Kriminalität verwoben und weist mafiöse Strukturen auf. Unzählige Straftaten spielen sich in der Türsteher-Szene, im Rotlicht-Milieu oder im Glücksspiel-Geschäft ab. Die Polizei ist bei Konflikten in dieser Szene schnell mit einer Kulisse von hunderten Clan-Mitgliedern konfrontiert. Die Ermittlungen sind meist sehr rechercheintensiv, da es in der Regel keine Aussteiger und keine Zeugen gibt.

Stand: 24.06.2021, 18:02