Duisburger Wahlbündnis reagiert auf Razzien bei eigenem Kandidaten

Wahlkampfbüro BIG Dergah Duisburg

Duisburger Wahlbündnis reagiert auf Razzien bei eigenem Kandidaten

Von Ralph Brix und Kai Toss

Vier Tage vor der Kommunalwahl herrscht Unruhe in Duisburg: Plante ein BIG-Dergah-Kandidat für den Rat Wahlbetrug oder ist er Opfer einer Verleumdungskampagne?

Die Vorwürfe, die gegen den Rats-Kandidaten vom Wahlbündnis BIG-Dergah im Raum sind, wiegen schwer. In dem vor Tagen aufgetauchten YouTube Video soll es angeblich um ein heimlich (und damit illegal) mitgeschnittenes Telefonat zwischen dem Verdächtigten und einem Unbekannten gehen. In dem auf Türkisch geführten Gespräch soll der Ratskandidat verschieden hohe Summen für Wählerstimmen bieten: je mehr Stimmen, umso mehr Geld.

Rätselraten um angebliches Telefonat

Der WDR hatte bereits vor einigen Tagen den Kandidaten dazu befragen können. Seine Stellungnahme: "Bei der Aufnahme handelt es sich nicht um meine Stimme, es ist eine Montage!"

Haluk Yildiz bei Pressekonferenz in Duisburg

Haluk Yildiz bei Pressekonferenz in Duisburg

Der Bundesvorsitzende der BIG-Partei Haluk Yildiz war heute eigens nach Duisburg gekommen, um zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Er berichtete, dass die Partei das Audio bereits von Tonexperten habe untersuchen lassen. Deren Ergebnis: unklar! Eine eindeutige Aussage, ob die Stimme dem Verdächtigten gehöre oder nicht, sei ihnen nicht möglich.

Auch Durchsuchungen sorgen für Unruhe beim Wählerbündnis

Darüber hinaus sprach Yildiz auch die gestrigen Razzien in Duisburg an. Dabei waren neben dem Haus und einem Ladenlokal des BIG-Dergah-Kandidaten auch mindestens zwei weitere Objekte von zwei anderen Tatverdächtigen durchsucht worden.

In einem Gespräch zwischen Yildiz und dem Beschuldigten hätte dieser berichtet, dass die Polizei einige Unterlagen und dessen Handy beschlagnahmt habe. Weitere Details habe dieser nicht mitteilen wollen. Sein Anwalt habe ihm geraten, in der Sache öffentlich vorerste keine Stellungnahme abzugeben. Allerdings wolle er ungeachtet der Vorwürfe seine Kandidatur für den Duisburger Stadtrat aufrecht erhalten.

Haluk Yildiz wirkte heute sichtlich betroffen. Niemand im Wahlbündnis wisse zurzeit, ob an den Vorwürfen irgendetwas dran sei. Sollte sich allerdings bewahrheiten, "dass diese Tonaufnahmen original sind, dass in der Tat so etwas stattgefunden hat, werden wir definitiv jedweden parteirechtlichen Weg gehen, auch diese Sache aus dem Weg zu schaffen.“ In diesem Fall würde ein Parteiverfahren in Gang gesetzt. Zunächst aber warte man auf die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Stand: 10.09.2020, 19:47