Loveparade-Prozess: Nebenkläger wollen Einstellung verhindern

Kränze liegen in Duisburg vor der Gedenkstätte für die Opfer des Loveparade-Unglücks.

Loveparade-Prozess: Nebenkläger wollen Einstellung verhindern

  • Staatsanwaltschaft und Angeklagte für Prozesseinstellung
  • Nebenkläger bestehen auf wichtiges Gutachten
  • Ende Juli 2020 verjährt der Loveparade-Strafprozess

Die Nebenkläger im Loveparade-Prozess positionieren sich in einem öffentlichen Appell gegen eine Einstellung des Loveparade-Prozesses. Damit stellen sie sich gegen den Vorschlag des Duisburger Landgerichts, das Anfang April angeregt hatte, das Strafverfahren ohne Urteil vorzeitig zu beenden.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg und alle drei Angeklagten haben am Freitag (17.04.2020) einer Einstellung bereits zugestimmt. Die Nebenkläger haben laut Gesetz zwar kein Vetorecht, dürfen aber bis zum 27.04.2020 gegenüber dem Gericht Stellung nehmen. Das Gericht will "erst dann über den weiteren Verlauf des Verfahrens, insbesondere einen Termin für eine etwaige Einstellung und ergänzende Erläuterungen, entscheiden."

Nebenkläger: Nicht überstürzt einstellen

Die 14 Anwälte der Nebenklage argumentieren in ihrem gemeinsamen Schreiben vom 23.04.2020, es gebe "keinen Grund, das Verfahren jetzt überstürzt einzustellen". Es gebe bereits Termine für der Einführung des 3800 Seiten starken Gutachtens des gerichtlich bestellten Sachverständigen.

Hiervon erhoffe man sich "Struktur und Durchblick im Dickicht des sich mehrfach überlagernden, multikausalen Geschehens" der Loveparade-Katastrophe. "Die Nebenkläger haben viele Fragen an den Gutachter und müssen die Möglichkeit erhalten, diese Fragen direkt an ihn in einer öffentlichen Verhandlung zu richten."

Derzeit pausiert der Prozess für unbestimmte Zeit, weil einige Beteiligte zu Corona-Risikogruppen gehören. Urteile sind so nach Ansicht des Landgerichts Duisburg bis zum Eintreten der Verjährungsfrist am 27.07.2020 kaum zu schaffen.

Zwei Angeklagte vor Gericht beim Loveparade-Prozess, im Hintergrund die zuständigen Richter

Gericht beim Loveparade-Prozess

Auch die Staatsanwaltschaft hat einer Einstellung des Verfahrens zugestimmt. Bei den noch drei angeklagten Veranstaltermitarbeitern gehe man ohnehin nur noch von einer geringen Schuld aus. Nach WDR-Informationen haben auch alle drei Angeklagten der Einstellung zugestimmt.

Ein schwarzer Tag für Opfer und Angehörige

Die Hauptverhandlung hatte im Dezember 2017 begonnen. Anfang Februar 2019 war das Verfahren gegen sieben der zehn Angeklagten nach 101 Verhandlungstagen ohne Auflagen eingestellt worden. Zuletzt wurde am 4. März 2020 verhandelt. Es war der 183. Verhandlungstag.

Bei der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 waren in Duisburg 21 Menschen in einer Massenpanik ums Leben gekommen. Mindestens 650 wurden verletzt.

Kommentar: Loveparade – unwürdiges Prozessende

WDR 4 Zur Sache 08.04.2020 02:03 Min. Verfügbar bis 08.04.2021 WDR 4


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Stand: 24.04.2020, 07:19