260 Verfahren gegen Clan-Kriminalität in Duisburg

260 Verfahren gegen Clan-Kriminalität in Duisburg

  • Modellprojekt in Duisburg: Staatsanwälte vor Ort
  • Zwei Sonder-Ermittler arbeiten direkt in Marxloh
  • Justizministerium: 260 Ermittlungsverfahren

Seit acht Monaten arbeiten zwei Staatsanwälte mitten in Duisburg - Marxloh, wo die Probleme mutmaßlich am auffälligsten sind. Bei Razzien sind sie dabei. Sie sind vor Ort statt nur Akten am Schreibtisch zu wälzen.

Sie sind dort, wo sich nach Ansicht von NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) eine "Parallelgesellschaft" mit kriminellen Clans gebildet hat. Am Donnerstag (07.02.2019) stellte der Minister eine erste Bilanz der Sonderermittler vor.

260 Ermittlungsverfahren in acht Monaten

Seit Juni 2018 seien durch das Modellprojekt knapp 260 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dazu gehören u.a.:

  • 111 Verfahren wegen allgemeiner Straftaten (Verstöße gegen das Waffengesetz, Raubdelikte, Urkundenfälschung)
  • 39 Verfahren wegen Drogendelikten
  • 31 Verfahren wegen Betrug und Untreue
  • 30 Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung
  • 27 Verfahren wegen Diebstahl und Unterschlagung

Es wurden 19 Haftbefehle erlassen.

Marihuana-Plantage im Keller

Zu den größten Erfolgen gehört das Aufdecken einer Mariuhana-Plantage in Kellerräumen in Duisburg-Hamborn mit 1.275 Pflanzen. Es seien dabei Vermögenswerte von 622.000 Euro sowie Schusswaffen nebst Munition sichergestellt worden.

Sonderfall Clan-Kriminalität

Mitglied eines kriminellen Clans werde man nicht durch bewusste Entscheidung, sich einer Gruppe anzuschließen, betonte NRW-Justizminister Peter Biesenbach bei der Vorstellung der Bilanz. "Man wird in den Clan hineingeboren, in ihm sozialisiert." In einen Clan könne man keine verdeckten Ermittler einschleusen. Entsprechend schwer sei es, die Strukturen aufzudecken.

Genau das ist nach Aussage von Oberstaatsanwalt Martin Fischer aber den Staatsanwälten vor Ort durch ihre Arbeit gelungen: Auf allen Seiten habe man nun deutlich bessere Kenntnisse über die Familien, ihre Mitglieder und Verflechtungen untereinander.

2.800 Personen gehören zur Clan-Szene in Duisburg

Das Justizministerium geht nach eigenen Angaben "weiterhin von etwa 70 relevanten türkisch-, kurdisch- und arabischstämmigen Familienstrukturen in Duisburg aus, denen etwa 2.800 Personen zugerechnet werden können".

Zweites Projekt in Essen

Oberstaatsanwalt Fischer lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit der Behörden: Die Agentur für Arbeit, das Hauptzollamt Duisburg, das Finanzamt und die Steuerfahndung Essen würden eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Wegen des Erfolgs in Duisburg wurde das Modellprojekt in der Zwischenzeit auf Essen ausgeweitet.

Stand: 07.02.2019, 12:28