Umstrittene Lesung über Chinas Präsidenten findet nun doch statt

Campus der Universität Duisburg-Essen

Umstrittene Lesung über Chinas Präsidenten findet nun doch statt

Die zunächst vom Duisburger Konfuzius-Institut abgesagte Buchlesung über Chinas Staatschef Xi Jinping findet nun doch statt - am Mittwochabend ab 19 Uhr.

Die Online-Veranstaltung wird nun allerdings vom Ostasieninstitut der Universität Duisburg-Essen aus abgehalten, sagt eine Sprecherin der Universität auf Nachfrage. Einen entsprechenden Link zur Lesung wird die Uni auf ihrer Website einstellen.

Eigentlich sollte die Buchlesung am Konfuzius-Institut in Duisburg stattfinden. Offizielle chinesische Stellen hatten dagegen aber protestiert. Damit hatte man zunächst offenbar Erfolg - denn ein Vertreter des Konfuzius-Institutes hat die Absage der Lesung bestätigt. Man sei selbst erschrocken darüber, heißt es vom Institut, das der Universität Duisburg-Essen zugehörig ist: In der jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit China sei das bisher nicht vorgekommen, eine solche Einflussnahme aus China habe es nicht gegeben.

Auch der Rektor der Universität, Ulrich Radtke, kritisiert die Entscheidung: "Für uns ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar und sie darf sich auch nicht wiederholen." Diese beiden Punkte wollen Vertreter des Konfuzius-Instituts, der Universität und der Stadt Duisburg jetzt klären.

Xi-Jinping-Kult als Ursache?

Adrian Geiges, Mitautor des Buches und langjähriger China-Korrespondent, meint, dass es bei dem Druck aus China nicht um einen möglicherweise kritischen Inhalt des Buches ginge. Das erklärte er gegenüber dem NDR. Vielmehr gehe es um den Kult, der um Xi Jinping herrsche.

Man dürfe nicht über ihn als normalen Menschen sprechen. Diesen Kult gebe es schon lange in China, aber jetzt solle er offenbar auf Deutschland ausgeweitet werden, so Geiges weiter.

Universitäten reagieren und laden Autoren ein

Die Lesung des Buchs "Xi Jinping - der mächtigste Mann der Welt" sollte eigentlich parallel an den Universäten Duisburg-Essen und Hannover stattfinden. Beide Universitäten haben auf die Absage der Lesung reagiert und die Autoren, Stefan Aust, Ex-"Spiegel"-Chef, und Adrian Geiges, eingeladen, die geplante Lesung durchzuführen.

Kritik an Konfuzius-Institut

Das staatliche chinesische Konfuzius-Institut steht schon länger in der Kritik. Offiziell soll es im Ausland die chinesische Kultur und Sprache zugänglich machen. Kritiker werfen dem Institut aber Spionage und politische Einflussnahme vor. Deswegen hatten mehrere Universitäten in Europa die Zusammenarbeit beendet.

Stand: 26.10.2021, 17:25