Dortmunder Krankenhäuser fürchten um Qualität der Patientenversorgung

Patient auf Intensivstation, die Hände liegen auf der Bettdecke und der Beatmungsschlauch ist zu sehen.

Dortmunder Krankenhäuser fürchten um Qualität der Patientenversorgung

Von Christian Beisenherz

  • Kritik der Kliniken an Personalschlüsseln
  • Versorgungswirklichkeit nicht berücksichtigt
  • Kliniken finden nicht genug Personal

Krankenhäuser der Region kritisieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Es geht um seine Verordnung, die ab Januar verbindlich eine Mindestzahl an Pflege-Personal auf Intensivstationen vorschreibt. Diese starren Vorgaben gingen an der Realität vorbei, bemängeln die Kliniken in einem Offenen Brief. Sie könnten dazu führen, dass Intensivpatienten abgewiesen werden müssten. Das sei unterlassene Hilfeleistung.

Patienten müssten verlegt werden

Für alle Intensivstationen einen einheitlichen Personalschlüssel vorzuschreiben, differenziere nicht genug. Man müsse vielmehr den tatsächlichen Versorgungsaufwand auf den Stationen berücksichtigen.

Die Krankenhäuser warnen in ihrem offenen Brief: "Wird in einer Schicht einer mehr krank, als durchschnittlich vorgesehen, müssen zwei bis drei Patienten verlegt werden. Es ist sehr zweifelhaft, dass sich auf diese Weise die Qualität und Sicherheit in der Patientenbehandlung verbessern lässt." Stattdessen kämen die Kliniken durch die Verordnung in eine ethische Zwickmühle.

"Unterlassene Hilfeleistung" droht

Die neuen starren Vorgaben, die ab 1. Januar 2019 gelten, könnten zu dramatischen Situationen führen: "Bringen Sie uns bitte nicht in eine Situation, in der wir nur zwischen unterlassener Hilfeleistung durch Abweisung eines intensivpflichtigen Patienten oder Annahme- und Organisationsverschulden durch die Aufnahme eines Patienten entscheiden müssen, weil die mathematischen Vorgaben Ihrer Verordnung nicht erfüllt sind."

Nähme eine Intensivstation einen Patienten in so einem Fall auf, würde die Krankenkasse nicht zahlen. Im Gegenteil: Das Krankenhaus müsste eine Strafe zahlen, und die Haftpflichtversicherung könnte der Klinik den Versicherungsschutz entziehen.

Zu wenig qualifiziertes Personal auf dem Markt

Und warum stellen die Kliniken dann nicht einfach mehr Personal ein? Auch darauf antworten die fünf Dortmunder Krankenhausgesellschaften in ihrem Brief: Sie würden ja gerne. Das Personal sei aber auf dem Arbeitsmarkt schlicht nicht verfügbar. Denn es braucht für die Arbeit auf den Intensivstationen neben der dreijährigen Krankenpflegeausbildung zusätzlich eine zweijährige Fachweiterbildung in Intensivpflege.

Die Not der Krankenhäuser mit den Pflegekräften Westpol 14.10.2018 UT DGS Verfügbar bis 14.10.2019 WDR

Stand: 02.11.2018, 14:27