Einstellige Arbeitslosenquote - Dortmunder "Jobwunder"

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Einstellige Arbeitslosenquote - Dortmunder "Jobwunder"

Von Kay Bandermann und Michael Westerhoff

  • Arbeitslosenquote erstmals seit 1981 wieder einstellig
  • Auch Langzeitarbeitslose finden Jobs
  • Gewerkschaften kritisieren prekäre Verhältnisse

Dortmunds Arbeitslosenquote ist nach 37 Jahren wieder unter zehn Prozent gesunken. Arbeitsagentur und Wirtschaftsförderung haben am Freitag (02.11.2018) über die Gründe für diese Entwicklung informiert.

Das "schwarze Jahr" für Dortmund war 1986: Mit 18,3 Prozent war die Stadt trauriger Spitzenreiter in der Arbeitslosen-Statistik im noch nicht vereinten Deutschland. Der Strukturwandel schlug mit voller Wucht zu: Stahlwerke und Zechen wurden geschlossen, produzierende Betriebe wanderten ab. Dortmund verlor 140.000 Industriejobs in 50 Jahren.

"Dortmund-Projekt" offenbar gelungen

Es dauerte lange, diese Lücke zu schließen. Jetzt ist mit mehr als 240.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten das frühere Niveau fast wieder erreicht. Als großer Wendepunkt gilt das "Dortmund-Projekt", gestartet im Jahr 2000.

Dortmund fokussierte sich damit auf wenige Zukunftsbranchen: IT, Nano- und Mikrosystemtechnik und Logistik. Hochschulen und Forschungszentren konzentrierten sich auf diese Felder. Für sie wurden großzügig Grundstücke, Büros und Labore zur Verfügung gestellt.

Förderung von Start-Ups

Ein weiterer Baustein war die Förderung von Existenzgründern durch Wettbewerbe mit Preisgeldern. Viele der Gewinner blieben in Dortmund und schufen 3.500 neue Arbeitsplätze. Lange Zeit schien dieser Boom an den Langzeitarbeitslosen vorbeizugehen. Jetzt bekommen auch sie eine Chance: Vor allem die Logistiker stellen auch gering oder gar nicht Qualifizierte ein.

Häufig befristete Jobs

Die Kehrseite der Medaille: Viele dieser Stellen sind nur befristet und werden häufig schlechter bezahlt als nach den Tarifen der jeweiligen Branche, kritisieren die Gewerkschaften.

Einige Langzeitarbeitslose haben auch von einem Förderprogramm des Bundes profitiert. Über das Projekt "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt" haben sie eine sozialversicherungspflichtige Stelle gefunden. Dieses Förderprogramm läuft zum Ende des Jahres aus.

SPD fordert starken NRW-Anteil beim Sozialen Arbeitsmarkt

WDR 5 Westblick - aktuell | 18.07.2018 | 03:57 Min.

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Neue Förderprogramme erwartet

Die Stadt sieht darin kein Problem. Denn sie rechnet damit, dass das neue Programm "Teilhabe am Arbeitsmarkt" Langzeitarbeitslosen besser helfen wird. Demnach sollen die Gelder nicht mehr an gemeinnützige Träger gehen, sondern direkt an Unternehmen, die dann möglicherweise langfristigere Arbeitsplätze schaffen.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) ist jedenfalls zuversichtlich und hat für seine Stadt ein neues Ziel ausgegeben: Jetzt soll die 8-Prozent-Marke geknackt werden. Damit will Dortmund unter den Ruhrgebiets-Schnitt gelangen.

Stand: 02.11.2018, 13:48