Ein ehemaliger Neonazi aus Dortmund packt aus

Neonazi mit Baseball-Schläger vor Twitter-Logo (Montage, Symbolbild)

Ein ehemaliger Neonazi aus Dortmund packt aus

Von Bernd Neuhaus, Boris Baumholt und Christof Voigt

  • Neonazi-Aussteiger aus Dortmund berichtet über rechte Szene
  • Dortmund spielt bundesweit eine zentrale Rolle bei Rechtsextremen
  • Verbot der Kameradschaften im Jahr 2012 hat Szene gestärkt
  • Neonazi-Aussteiger wird massiv bedroht

Erstmals ist es dem WDR gelungen, mit einem Aussteiger aus der rechtsextremen Partei "Die Rechte" zu sprechen. Er hatte engste Kontakte in die Führungsebene der Dortmunder Neonazi-Szene. Seit seinem Ausstieg wird er bedroht. Trotzdem will er vor der Partei warnen.

Partei "Die Rechte" vernetzt Neonazis bundesweit

Neonazi-Aussteiger: Mann mit Kapuze, von schräg hinten fotografiert

Ein Neonazi-Aussteiger packt aus

Die Einblicke des Insiders sind brisant: "Die Rechte" wurde gegründet, kurz nachdem der damalige SPD-Innenminister Ralf Jäger 2012 rechtsextreme Kameradschaften in Dortmund, Hamm und Aachen verboten hatte. In den vergangenen Jahren habe sich die Szene über die rechtsextreme Splitterpartei immer enger vernetzt, sagt der Aussteiger: "Zum Beispiel auch nach Chemnitz. Die Hauptzentrale ist natürlich Dortmund, Dortmund gibt alles vor. Auch, dass man sich in Bewegungen wie Pegida einklinkt."

"Die Rechte" als Nachfolgerin verbotener Kameradschaften

In der Szene sei es ein offenes Geheimnis, dass "Die Rechte" eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Kameradschaften sei. "Kameradschaften kann man verbieten, Vereine auch. Parteien sind schwerer zu verbieten." An den Wahlen nehme man aber nicht teil, um im Parlament etwas zu verändern: "Aber du kriegst halt Gelder. Die kann man dann in die Strukturen wieder einbauen, denn darum geht’s: Geld kassieren." Eine Partei habe auch andere Möglichkeiten als ein Verein: "Du kommst in Parlamente, bekommst Einblick in Unterlagen."

Partei "Die Rechte" in der Tradition der NSDAP?

Vorsitzender der Partei "Die Rechte": Michael Brück (Porträt)

Michael Brück, Vorsitzender der Partei "Die Rechte" und Mitglied des Dortmunder Stadtrates

Die Splitterpartei sei klar verfassungsfeindlich, sagt der Aussteiger: "Es gibt verschiedene Unterströmungen: Nationaldemokraten, Nationalrevolutionäre. Die führenden Leute sind natürlich überzeugte Hitleristen und sehen sich in der Tradition der NSDAP." Auf Parteitagen werde zum Beispiel klar vorgegeben, wen man zu wählen habe, zur Not auch mit Druck. Der Dortmunder Michael Brück ist einer von zwei Bundesvorsitzenden von "Die Rechte" und sitzt für die Partei im Dortmunder Stadtrat. Dem WDR sagt er: "Unser Ziel ist erstmal, die herrschenden Zustände zu verändern." Aber eine Vorstellung, was danach kommen sollte, habe er nicht: "Ob es da eine Diktatur gibt oder eine Demokratie, kann ich nicht beurteilen."

Einige fordern ein Verbot der Partei

Nach den verstörenden Bildern vom Neonaziaufmarsch am 21. September sagt Berivan Aymaz, die für die Grünen im NRW-Landtag sitzt: "Wichtig ist, dass die Landesregierung endlich mal die Prüfung eines Verbots durchdenkt." Innenminister Herbert Reul von der CDU hält sich aber noch zurück: Für ein Parteiverbot gäbe es hohe Hürden: "Wir haben beim NPD-Verbot erlebt, wie schwierig das ist.

Stand: 30.09.2018, 18:30

Weitere Themen