Dortmunder Rechtsextremist gewinnt vorläufig gegen Bild-Zeitung

Oidoxie-Sänger Marko Gottschalk mit seinem Rechtsanwalt am Dortmunder Landgericht

Dortmunder Rechtsextremist gewinnt vorläufig gegen Bild-Zeitung

  • Bild nannte Dortmunder "Schlüsselfigur von Combat 18"
  • Neonazi Marko Gottschalk distanziert sich von Combat 18
  • Bundesinnenminister hat rechtsextreme Gruppen im Blick 

Die Bild-Zeitung darf vorläufig nicht mehr behaupten, dass der Dortmunder Neonazi Marko Gottschalk zur Führung der rechtsterroristischen Gruppe "Combat 18" gehört. Das hat das Dortmunder Landgericht am Dienstag (30.07.2019) in einem Eilverfahren entschieden. 

Dafür sei die Recherche der Zeitung zu dünn und kaum belastbar, so die vorsitzende Richterin. Das Urteil ist vorläufig, die Axel Springer SE kann in einem Hauptverfahren dagegen vorgehen. 

Gottschalk: "War nie Mitglied bei Combat 18"

Der Dortmunder Rechtsextremist Marko Gottschalk, Gründer und Sänger der Neonazi-Band Oidoxie, hatte sich mit einer Unterlassungsverfügung dagegen gewehrt, dass die Bild-Zeitung ihn als "C18-Führungskader" bezeichnet. "C18" steht für "Combat 18", also "Kampfgruppe Adolf Hitler".

Marko Gottschalk auf Demonstration der Partei "Die Rechte" in Dortmund

Marko Gottschalk auf Demonstration der Partei "Die Rechte" in Dortmund

Gottschalk betonte mehrfach, er sei nie bei "Combat 18" gewesen, folglich könne er auch keine Führungsrolle inne gehabt haben. Auch sei die "Oidoxie-Streetfighting-Crew" nie eine "C18"-Zelle gewesen, sagte Gottschalk im Prozess. Diese Gruppe war Mitte der 2000er-Jahre als eine Art Saalschutz bei Konzerten der Neonazi-Band aufgetreten.

Combat-18-Tattoo auf der Brust

Die Bild-Zeitung hatte im Zusammenhang mit dem Mord an Walter Lübcke in Kassel über Gottschalk und die "Oidoxie-Streetfighting-Crew" berichtet. Der hessische Regierungspräsident war Anfang Juni mutmaßlich von einem Rechtsextremisten mit Verbindungen ins "C18"-Milieu erschossen worden.

Nicht berichtet hatte die Zeitung, dass Gottschalk ein großes "Combat-18"-Tattoo auf der Brust trägt und mit seiner Band „Oidoxie“ eine Art Hymne der "C18"-Bewegung raus gebracht hat: den Song "Terrormachine Combat 18".

In dem Lied heißt es unter anderem: "This is the terrormachine, this is Combat 18. (…) Hail to Combat 18, hail to the terrormachine." (Übersetzung: "Das ist die Terror-Maschine, das ist Combat 18. (…) Heil der Terror-Maschine, heil Combat 18.") Im Prozess sagte der Dortmunder Neonazi, er würde das Lied heute nicht mehr spielen, weil es auf dem Index stehe. Inhaltlich distanzierte er sich nicht.

Unterlassungsverfügung möglicherweise Vorgriff auf C18-Verbot

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Ende Juni angekündigt, als Konsequenz aus dem Mord an Walter Lübcke ein Verbot rechtsextremer Gruppen prüfen zu lassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine dieser Gruppen "Combat 18" ist.

Sollten Gottschalk und seiner Band Oidoxie eine bestimmte Rolle oder gar eine Mitgliedschaft bei "C18" nachgewiesen werden können, könnte es unangenehm für den Dortmunder werden. Möglicherweise würde ein "C18"-Verbot auch die Band treffen.

Das Urteil hat den Neonazi vorläufig ein Stück weiter weg von der rechtsterroristischen Organisation "Combat 18" gerückt.

Noch immer unterschätzt? Rechte Terrorstrukturen in Deutschland Monitor 27.06.2019 09:33 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Jochen Taßler, Stephan Stuchlik, Julia Regis, Lara Straatmann, Nadia Aboulwafi

Stand: 30.07.2019, 07:39