Empörung über Kirchturm-Besetzung in Dortmund durch Neonazis

Stand: 19.04.2022, 14:05 Uhr

  • Rechtsextremisten besetzen Reinoldi-Kirchturm
  • Staatsschutz ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Symbole
  • Superintendent verurteilt Besetzung

Die evangelische Stadtkirche verurteilte die Besetzung des Reinoldikirchturms. "Wir empfinden es als Respektlosigkeit, unsere Kirche für rechte Propagandazwecke zu missbrauchen. Hier ist kein Platz für Rassismus", sagte der Superintendent Ulf Schlüter.

Kirchturm bleibt zugänglich

Um kurzfristig ein Signal zu setzen, läuteten während der Besetzung die Kirchenglocken. "Wir als evangelische Kirche in Dortmund haben damit nichts zu tun und wehren uns dagegen", sagte Pfarrer Michael Küstermann dem WDR. Direkte Konsequenzen wie Taschenkontrollen oder der Einsatz von Sicherheitspersonal würden nicht gezogen. Die Kirche und der Zugang zum Turm blieben in der Adventszeit weiter für alle Menschen geöffnet.

Die Rechten verbarrikadierten sich nach Angaben der Polizei am Freitagabend (16.12.2016) im Turm der zentralen Innenstadtkirche. Über die Brüstung hängten sie ein Transparent und zündeten Pyrotechnik. Mit Unterstützung der Feuerwehr öffnete die Polizei gewaltsam die Tür zum Kirchturm und beendete die Besetzung.

Weihnachtsmarktbesucher angepöbelt

Zeitgleich zu der Aktion versammelten sich im Umfeld der Kirche weitere Rechtsextremisten. Sie pöbelten Besucher des Weihnachtsmarktes an und verteilten antiislamische Flugblätter. Auch gegen sie ging die Polizei nach eigenen Angaben vor.

Staatsschutz ermittelt

Insgesamt wurden acht Rechtsextremisten vorläufig festgenommen. Am Samstagmorgen waren sie laut Polizei wieder auf freiem Fuß. Der Staatsschutz ermittelt nun unter anderem wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch, der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.