Dortmund ohne "Nazikiez"

Dortmund ohne Nazikiez 04:11 Min. Verfügbar bis 05.03.2022

Dortmund ohne "Nazikiez"

Von Christof Voigt

Der organisierte Rechtsextremismus in Dortmund zeigt Auflösungserscheinungen. Im selbsternannten "Nazikiez" im Stadtteil Dorstfeld sind die Rechten kaum noch wahrnehmbar.

Den Wilhelmplatz in Dortmund Dorstfeld haben Rechtsextremisten "ihren Kiez" genannt, fast zwei Jahrzehnte lang. Demokraten, Nazigegner, auch Journalisten sind hier immer wieder angegriffen worden. "Raumkampf" haben das die Neonazis genannt. Den scheinen sie jetzt verloren zu haben. Zurzeit lässt sich hier kaum ein Rechtsextremist blicken.

Kein "Raumkampf" mehr in Dorstfeld

Ralf Stoltze, der stellvertretende Bezirksbürgermeister (SPD) in Dorstfeld, bestätigt das: "Es ist einfach so, dass man nicht mehr angequatscht wird, dass man nicht mehr behindert wird und dass man auch nicht belästigt wird. Und das führt dazu, dass man mehr Vertrauen hat in die Situation hier", sagt Stoltze nicht ohne Freude.

Neues Graffiti auf Hauswand

Seit Jahren kämpft er gegen die Rechten im Stadtteil. So ruhig wie zurzeit war es hier zwei Jahrzehnte nicht, der engagierte Antifaschist Stoltze wirkt selbst noch erstaunt. Aber wo sind die Neonazis hin?

Mehrere Nazikader weggezogen

Nach WDR-Informationen sind mittlerweile mehr als zehn Neonazikader aus Dortmund weggezogen. Der bekannteste ist Michael Brück, er ist nach Chemnitz gegangen.

In einem Interview mit einer rechten Gruppe aus dem Osten nennt Brück Gründe: "Dinge wie der hohe Überfremdungsanteil, der es biologisch unmöglich macht, dass man mittelfristig breite Bevölkerungsteile erreicht. (…) Wenn man gesehen hat, wie linksextreme Parteien, vor allem auch die Grünen, zugelegt haben, dann sieht man auch, dass die gesamte westdeutsche Jugend und die jungen Erwachsenen völlig verzogen sind. (…) Diese Leute kann man nicht mehr erreichen, diese Regionen sind verloren." (Quelle: Michael Brück auf: t.me/zusammenruecken)

Stand: 05.03.2021, 19:00