Bürger in Dortmund-Marten wehren sich gegen Neonazis

Bürger in Dortmund-Marten wehren sich gegen Neonazis 04:22 Min. Verfügbar bis 01.03.2020

Bürger in Dortmund-Marten wehren sich gegen Neonazis

Von Christof Voigt

  • Neonazis versuchen, in Marten ein Klima der Angst zu schaffen
  • Bürger vernetzen sich gegen Rechtsextremismus
  • Stadtteiltreff "Meilenstein" ist Ziel von Farbschmierereien

Dortmund-Marten hat in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht. Vor allem Negative, weil Neonazis dort versuchen, die Nachbarschaft einzuschüchtern. Dagegen stellt sich jetzt ein breites Bündnis im Stadtteil auf.

Nur eine kleine Gruppe Neonazis in Dortmund-Marten

Es sind vielleicht zehn, fünfzehn Neonazis, die seit über einem Jahr in Dortmund-Marten versuchen, ein Klima der Angst zu schaffen. Unterstützung erhalten sie dabei vom harten Kern der Dortmunder Neonazi-Szene. Der wohnt nur wenige Busstationen entfernt im benachbarten Stadtteil Dorstfeld.

Immer wieder Ziel von Farbschmierereien und Bedrohungen der Neonazis: der Stadtteiltreff "Meilenstein". Hier hat die Nachbarschafts-Initiative "Martener-Forum" vor einem Jahr eine Heimat gefunden. Monika Rößler hat das Forum mitgegründet. Weil sie sich für eine bessere Nachbarschaft in Marten einsetzt, ist sie ins Visier der Neonazis geraten.

Neonazis störten Lesungen

Mehrfach ist die Förderschullehrerin dabei schon mit den Rechtsextremisten aneinandergeraten. Zum Beispiel, als die bei Lesungen in den "Meilenstein" gekommen sind, um dort ihre extremistische Ideologie zu verbreiten. Zuletzt Ende Januar, als es um den Holocaust-Gedenktag ging.

Sie mache dann einfach von ihrem Hausrecht gebrauch, sagt Rößler. Das heißt, sie schmeißt die Neonazis raus und ruft die Polizei. "Die Polizei ist immer sehr schnell da, nimmt die Personalien auf und die Rechten verschwinden", sagt Monika Rößler.

Monika Rößler und Pfarrer Christian Höfener-Wolf

Monika Rößler und Pfarrer Christian Höfener-Wolf

Reden könne man mit vielen Neonazis nicht mehr, da sei einfach zu viel Hass auf alles, was nicht in ihr Weltbild passe, sagt Monika Rößler. Das bestätigt auch der evangelische Pfarrer Christian Höfener-Wolf. Ihn haben die Martener vom Forum um Hilfe gebeten, weil er im Nachbarstadtteil Dorstfeld viel Erfahrung mit Rechtsextremisten gesammelt hat.

Netzwerk gegen rechtsextreme Ideologie

Mittlerweile vernetzt sich das Martener Forum mit immer mehr Organisationen, Schulen oder Beratungsstellen. Ziel: ein möglichst großes Angebot für die Menschen im Stadtteil zu schaffen, um sie stark gegen rechtsextreme Ideologien zu machen. Ein Erfolg war zum Beispiel der Start der Konzertreihe "Marten liebt Vielfalt". Die Idee dazu hatte der Dortmunder Gerhard Stranz.

Fast 300 Menschen waren beim Auftaktkonzert in einer Martener Kirche. Und die haben deutlich gezeigt, wofür die meisten Menschen in Marten stehen, sagt Stranz: "Für Vielfalt, Toleranz und ein friedliches Miteinander."

Stand: 01.03.2019, 19:01