Gehaltsstreit: Duisburger Werkstatt-Chefin entlassen

Gehaltsstreit: Duisburger Werkstatt-Chefin entlassen

Von Stephanie Hajdamowicz und Christian Wolf

  • Diskussion über Gehalt für Geschäftsführerin von Behindertenwerkstatt
  • Aufsichtsrat beschließt fristlose Kündigung
  • Vertrauensverhältnis sei "irreparabel gestört"

Der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat Geschäftsführerin Roselyne Rogg am Mittwoch (08.08.2018) fristlos gekündigt. Grund ist ein Streit über Roggs angeblich zu hohes Gehalt. Obwohl Rogg in den vergangenen Jahren "fachlich gute Arbeit" geleistet habe, sei der Aufsichtsrat zu dem Schritt gezwungen gewesen, heißt es in einer Mitteilung. Das Vertrauensverhältnis sei "irreparabel gestört".

Massive Gehaltssteigerung

Aufsichtsratschef Thomas Krützberg hatte Unstimmigkeiten entdeckt und ein Gutachten in Auftrag gegeben. Demnach hat Rogg ohne Rücksprache mit dem Kontrollgremium eine massive Gehaltssteigerung bekommen. Ihre Jahresvergütung lag aktuell bei 376.000 Euro. Laut dem Gutachten seien 150.000 bis 180.000 Euro für die Position angemessen.

Zweites Gutachten ohne Nutzen

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz hatte Rogg am Dienstag ein eigenes, zweites Gutachten präsentiert. Dort ist von einem angemessenen Gehalt die Rede. Trotzdem kündigte sie an, ihren Vertrag im Juni 2019 auslaufen zu lassen. Sie habe das Gefühl, der Aufsichtsrat stehe nicht mehr geschlossen hinter ihr, hieß es.

Diesem Schritt kommt der Aufsichtsrat mit der Kündigung nun zuvor. Auch ein Hausverbot wurde gegen die Geschäftsführerin ausgesprochen.

Was die Werkstatt macht

Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung beschäftigt 190 hauptamtliche Mitarbeiter und betreut 1100 Menschen mit Behinderungen, die in vier Werkstätten, zwei Restaurants und einer Modegalerie arbeiten.

Gesellschafter der Werkstatt sind die Stadt Duisburg zu 50 Prozent, die Lebenshilfe Duisburg e.V. mit 25 Prozent und der Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Duisburg e.V., ebenfalls mit 25 Prozent. 

Das sagt der Steuerzahlerbund zum Thema

Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler kritisiert in Duisburg „eine Koalition des Wegschauens“. Er befürchtet, dass die Gemeinnützigkeit des Vereins verloren gehen könnte. Das hätte dann auch Folgen für die Arbeitslätze der Behinderten, sagt er. Das muss jetzt das Finanzamt prüfen. Aufgrund des Steuergeheimnisses wollte sich die Oberfinanzdirektion NRW dazu allerdings nicht äußern.

Das sagt der LVR zum Thema

Der Landschaftsverband Rheinland ist der größte Geldgeber der Werkstatt in Duisburg. "Die Duisburger Werkstätten boten bislang keinen Anlass, die fachliche Qualität in Frage zu stellen. Auch wurden keine Beschwerden/Anfragen in dieser Richtung von Dritten erhoben", heißt es offiziell durch die Leiterin des Fachbereichs Kommunikation. Dennoch hätte der Landschaftsverband die Berichterstattung zum Anlass genommen, mit der Werkstatt in Gespräche einzutreten. Hinter den Kulissen ist zu erfahren, dass längst Mitarbeiter vor Ort waren. 

Stand: 08.08.2018, 19:54