Ärger um Wohnheim für junge Muslime in Gladbeck

Muslimische Gläubige hocken beim Gebet auf einem Teppich

Ärger um Wohnheim für junge Muslime in Gladbeck

  • Moscheeverein will Wohnheim für Jugendliche bauen
  • Stadtverwaltung bietet Grundstück zur Pacht an
  • Lokalpolitiker wurden nicht über Vorhaben informiert

Die Pläne für ein Wohnheim für muslimische Jugendliche sorgen für Diskussionen in der Gladbecker Lokalpolitik. Ein Moscheeverein möchte auf einem Grundstück der Stadt eine Art Internat für junge Männer bauen. Das Vorhaben war am Montagabend (17.02.2020) Thema im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt.

Kritik an Stadtverwaltung

Die Gladbecker Ratsfraktionen sind verärgert, weil sie von dem Vorhaben nichts wussten. Sie hatten vergangene Woche aus der Presse von den Plänen erfahren. Darum war die Stimmung bei der Sitzung am Abend angespannt.

Selbst SPD und CDU waren sich einig: Die Stadtverwaltung hätte sie über das Vorhaben informieren müssen, bevor sie vergangenen Woche der Öffentlichkeit davon erzählte. Es gehe um ein sensibles Thema.

Von CDU kommt Kritik

Der Moscheeverein "Interkulturelles Bildungszentrum Gladbeck e.V." möchte ein Wohnheim für etwa 30 junge Männer zwischen 12 und 18 Jahren bauen. Die Jugendlichen sollen weiterhin eine normale Schule besuchen und danach im Wohnheim Nachhilfe bekommen, mehr über ihre Religion erfahren und übernachten.

Die CDU – Oppositionsfraktion in Gladbeck – kritisierte die Pläne des Vereins sehr deutlich. Die Fraktion fürchtet, dass die Jugendlichen "keinen sozialen Umgang nach außen erhalten" und bezeichnet das Vorhaben als "integrationsfeindlich".

Die Stadtverwaltung sieht das anders. Bürgermeister Ulrich Roland betonte bei der Ausschusssitzung, dass er dem Moscheeverein und seiner langjährigen Jugendarbeit vertraue. Er verwies auf die religiöse Vielfalt in Gladbeck und die Religionsfreiheit im Grundgesetz. Der Verein ist seit 1976 in Gladbeck aktiv.

Informationsveranstaltung geplant

Der Moscheeverein sucht schon länger nach einem Grundstück, um sein Angebot auszuweiten. In den jetzigen Räumlichkeiten haben Jugendliche bislang am Wochenende und in den Ferien die Möglichkeit, dort zu übernachten. Eigenen Angaben zufolge geht es dem Verein darum, den Jugendlichen zu einem guten Schulabschluss zu verhelfen.

Die Gladbecker Lokalpolitiker haben am Montagabend beschlossen, dass das Vorhaben nochmal im Jugendhilfeausschuss beraten werden soll. Außerdem hat die Verwaltung eine Informationsveranstaltung für Gladbecker Bürger am 18. März angekündigt.

Der Dachverband des Gladbecker Moscheevereins ist der Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ). Er hat seinen Sitz in Köln und deutschlandweit mehrere solcher Wohnheime für junge Muslime in den vergangenen Jahren eröffnet. In NRW bislang in Duisburg.

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WDR 5 Diesseits von Eden 12.01.2020 02:35 Min. Verfügbar bis 11.01.2021 WDR 5 Von Gerald Beyrodt

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Stand: 18.02.2020, 07:59