Diskussion um Muezzinruf in Gelsenkirchen

Halbmond auf dem Dach einer Moschee

Diskussion um Muezzinruf in Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen gibt es eine Diskussion darüber, ob ein täglicher und öffentlicher Muezzinruf eingeführt werden soll. Die Regelung würde während der Corona-Pandemie gelten.

„Unter der Isolation durch die Schließung der Moscheen leiden gerade ältere Menschen", sagt Derya Halici von den Gelsenkirchener Grünen. Sie hat den Vorschlag, während der Pandemie einmal am Tag an zwei Standorten in der Stadt den islamischen Gebetsruf möglich zu machen, in den Integrationsrat gebracht.

Portrait der Gelsenkirchener Grünen-Politikerin Derya Halici

Grünen-Politikerin Derya Halici

"Studien belegen, dass das Vernehmen des Ezans, also des islamischen Gebetsrufes, bei vielen Menschen mit islamischem Bekenntnis ein Stück Normalität, Vertrautheit und Routine birgt und damit eine emotionale Stütze sein kann, um Vereinsamungserscheinungen entgegen zu wirken“, so Halici weiter.

Auch Kirchen unterstützen Vorschlag

Rückenwind erfahren die Grünen zudem von mehreren christlichen und jüdischen Gemeinden in der Stadt, die diesen Vorschlag unterstützen. Argumentiert wird auch damit, dass während der Corona-Pandemie viele christliche Kirchen zusätzliches Glockengeläut als Zeichen der Solidarität einführen durften.

Dass der Vorschlag der Grünen eine politische Mehrheit bekommt, ist jedoch fraglich. Das Thema soll als nächstes im Bildungsausschuss diskutiert werden, nachdem es bereits im Integrationsrat dazu eine hitzige Diskussion gab.

Ablehnung bei SPD und CDU

Schon während des ersten Lockdowns lehnte der damalige Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) einen öffentlichen Muezzinruf ab. Auch jetzt zeigt sich die SPD skeptisch, ebenso wie Koalitionspartner CDU.

"Unter integrativen Gesichtspunkten leistet der Muezzinruf sicher keinen Beitrag für unsere Stadtgesellschaft", so CDU-Frationschef Sascha Kurth, "er trägt eher dazu bei, neue Gräben zwischen Gemeinden und Nachbarn aufzureißen."

Streit um Muezzin-Ruf Westpol 24.05.2020 UT DGS Verfügbar bis 24.05.2021 WDR

Streitpunkt Muezzinruf

Öffentliche Muezzinrufe werden im Ruhrgebiet immer wieder kontrovers diskutiert. Seit Jahren gibt es einen Streit um einen Gebetsruf in Oer-Erkenschwick, der bis vor das Oberlandesgericht ging.

Während der Corona-Pandemie ermöglichte die Stadt Duisburg noch im ersten Lockdown den Muezzinruf - jetzt im zweiten Lockdown gibt es keine Genehmigung dafür.

Stand: 01.02.2021, 08:09