Fernuniversität in Hagen als landesweites Vorbild

Die Fernuni in Hagen aus der Ferne.

Fernuniversität in Hagen als landesweites Vorbild

Von Till Krause

  • Pünktlicher Semesterstart an der Fernuniversität in Hagen
  • Präsenz-Unis wollen auch "Fernuniversitäten" werden
  • Fernuni Hagen unterstützt Hochschulen dabei

Die Fernuniversität in Hagen ist am Mittwoch (01.04.2020) als einzige staatliche Hochschule in NRW pünktlich ins neue Semester gestartet. Sie profitiert davon, dass ihre Studierenden ohnehin von zu Hause an den Vorlesungen und Seminaren teilnehmen. Diese Art des digitalen Studiums könnte bald an vielen Universitäten Alltag sein.

Zehntausende warten aufs Semester

Mehr als 700.000 Studierende in NRW warten momentan darauf, ins neue Semester zu starten. Mit Verspätung soll es am 20. April an den Präsenzunis losgehen. Weil aber völlig unklar ist, wie sich die Corona-Krise bis dahin entwickelt, setzen viele Unis jetzt auf digitale Lehre. Sie arbeiten daran, die Vorlesungen und Seminare bis zum Semesterstart ins Netz zu verlagern - quasi nach Hagener Vorbild.

"Die Lehrenden von Präsenzunis, die jetzt über Nacht damit konfrontiert sind, ihre Lehre stärker digitalisieren zu müssen, wollen wir unterstützen", erklärt Ada Pellert, Rektorin der Fernuniversität in Hagen. So kann ein Universitätsprofessor sich beispielsweise per Chat oder Telefon von Hagener Experten beraten lassen, wie er seine Vorlesung am besten digitalisiert. Auch Selbstlernkurse für Lehrende will die Fernuniversität anbieten.

Hausbesuch bei der Fern-Uni-Dozentin

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 22.01.2019 08:01 Min. Verfügbar bis 22.01.2024 WDR 5

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"Kein verschenktes Semester"

Profitieren könnte davon zum Beispiel die Technische Universität Dortmund. Fast 4.000 Veranstaltungen finden hier in einem Semester normalerweise statt, möglichst viele sollen bald digital verfügbar sein. "Das Sommersemester 2020 darf kein verschenktes Semester für die Studierenden sein", schreibt die Rektorin Ursula Gather in einer Rundmail an die Studierenden.

Die digitale Umstellung aller Veranstaltungen sei allerdings nicht möglich: "Für Lehrformate wie Laborpraktika oder Sportkurse wird dies leider nicht umsetzbar sein", erklärt Gather. Auch Klausuren können aktuell nicht stattfinden. Möglich sind mittlerweile aber wieder mündliche Prüfungen, wenn auch nur von zu Hause aus via Videoanruf. Dafür hat die Uni extra eine neue Videokonferenz-Software angeschafft und die Prüfungsordnung geändert.

1974: Gründung der Fernuniversität Hagen

WDR 4 Meilensteine und Legenden 01.12.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 30.11.2020 WDR 4

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Ruhr-Uni Bochum stellt um

Auch die Ruhr-Universität Bochum verzichtet in der kommenden Vorlesungszeit bis Juli komplett auf Präsenzveranstaltungen. Ziel sei es aber den 42.954 eingeschriebenen Studierenden ein vollwertiges Sommersemester anzubieten, teilte die Uni am Mittwoch mit. Statt Vorlesungen vor vollem Hörsaal oder Seminare vor Ort stellen dafür die Lehrenden ihre Studienangebote auf online-gestützte, kontaktlose Angebote um.

Auch Experimente, Exkursionen oder Archivbesuche sollen durch gleichwertige Angebote ohne Kontakt ersetzt oder verschoben werden. Bei all dem sollen die Studierenden weiter ihre Punkte sammeln können, die es für den Studienabschluss braucht.

Corona-Krise als Chance für die Hochschulen

Unterstützung bei der digitalen Umstellung bekommen Lehrende von Universitäten auch beim Hochschulforum Digitalisierung. Projektleiter Julius Friedrich sieht in der Corona-Krise für Hochschulen auch eine Chance für kreative Lösungen. "Dann glaube ich, ist Corona nicht die große Krise, sondern der große Veränderungsimpuls für die Hochschullandschaft", erklärt er. So könnte die Krise für eine digitale Infrastruktur an Hochschulen sorgen, von der auch danach noch viele profitieren.

Stand: 01.04.2020, 16:03