Die Stunde der freiwilligen Helfer im Ruhrgebiet

Freiwillige Helfer beseitigen mit Schaufel und Spitzhacke Schutt vor einem Hochwasser geschädigtem Wohnhaus

Die Stunde der freiwilligen Helfer im Ruhrgebiet

Ob in Hagen, Dortmund oder Breckerfeld. Von überall erreichen uns Berichte über Menschen, die plötzlich da sind, um den vielen Hochwassergeschädigten zu helfen.

Ganze Fußballmannschaft hilft Teamkollegen in Hagen-Hohenlimburg

Innerhalb weniger Minuten haben Tonnen von Schutt das Haus von Familie Fischer in Hagen-Hohenlimburg komplett verwüstet. In der ersten Etage stand das Wasser zwei Meter hoch. Seit vier Tagen helfen Freunde und Kollegen die Katastrophe zu beseitigen. Darunter die ganze Fußballmannschaft von Concordia Hagen. Und sogar der Ortsrivale von der SpVg Hagen 1911 packt mit an. Supermärkte spendieren außerdem Getränke, Restaurants bringen warmes Essen vorbei. Dominik Fischer ist überwältigt: "Im Moment überwiegen fast sogar die Freudentränen, wenn man diese Hilfsbereitschaft sieht. Der schwere Teil, die Verarbeitung kommt hinterher, wenn alles freigeschaufelt ist."

Nachbarn helfen Landwirtsfamilie

Menschen helfen Landwirtsfamilie

Familie Halverscheid aus Hagen-Dahl hat das Unwetter schnell und hart getroffen. Innerhalb von Minuten lief das Wohnhaus auf dem Hof der Familie voll. Nicht nur der Keller, sondern auch das Haus. Selbst das Vieh steht meterhoch unter Wasser. Zum Glück überleben die Tiere alle. Die Versicherung zahlt nicht und die Familie bekommt die Lage alleine nicht in den Griff. Sie startet einen verzweifelten Aufruf in sozialen Netzwerken. Was dann passiert, kann Landwirtin Sarah Halverscheid kaum fassen. Sie ist ergriffen, angesichts der vielen Helfer:innen: "Hier sind Menschen, die kenne ich gar nicht. Aber es sind ganz viele, die einfach mithelfen. Es sind Menschen hier, die Haben Essen und Trinken gebracht, und jetzt holen Menschen unsere Wäsche ab und waschen die. Und jeder packt mit an und organisiert hier irgendwas."

Welle der Hilfsbereitschaft in Hagen

Spendenaktion in Hagen

Spendenaktion in Hagen

In ganz Hagen sind Menschen in Gummistiefeln mit Schaufeln in der Hand unterwegs und helfen dabei, die Massen an Schlamm und Geröll wegzuschaffen, die das Wasser angespült hat. Viele Menschen haben sich auch bei WDR 2 gemeldet, haben ihre Hilfe angeboten und sind nach Hagen gefahren. Über soziale Medien haben freiwillige Helfer ein Ladenlokal im besonders betroffenen Stadtteil Hohenlimburg aufgetan. Da sammeln sie jetzt wäschekörbeweise Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Lebensmittel und wollen das an die Menschen verteilen, die alles verloren haben. Die Hagenerin Antje Borgmann hat diese Spendensammlung angestoßen und ist überrascht "Die rufen aus dem Emsland, die rufen aus Sachsen an und laden irgendwelche Busse voll." Sie findet die Welle der Hilfsbereitschaft überwältigend. Selbst Menschen, deren eigene Keller vollgelaufen sind, spenden hier für diejenigen, die es noch stärker getroffen hat.

Nach dem Unwetter - die Schäden im Ruhrgebiet

Bilder der Verwüstung und Überflutung. Rekordstände der Bäche und Flüsse, vollgelaufene Keller und Häuser - die Tage nach dem Starkregen.

Die Verbundungsstraße von Breckerfeld ins Volmetal ist durch Hochwasser zerstört

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

Ihre Nachbarn sind bei Verwandten untergekommen. Aber die Straße wird monatelang niemand mehr nutzen können.

Auch in Hagen-Dahl ist eine Fahrbahn abgesackt. Die Brücke, die erst im vergangenen Jahr neu gebaut wurde, ist völlig zerstört. Die Gasleitung liegt frei.

Der Krisenstab der Stadt Hagen hatte bereits am Mittwoch den Katastrophenfall ausgerufen. Die Bundeswehr kam mit Räumpanzern, um die Verwüstungen nach zwei Tagen Regen zu beseitigen. 200 Soldaten sind im Einsatz.

Am Donnerstagmorgen haben Soldaten mehrere Mitarbeiter eines Stahlwerks in Sicherheit gebracht. Sie waren die ganze Nacht in ihrem Betrieb eingeschlossen.

Diese Sandsäcke haben wohl verhindert, dass die halbe Hagener Innenstadt vollläuft. Die großen Einkaufsgalerien und einige Geschäfte sind geschlossen. Auch das Hagener Rathaus bleibt dicht, denn dort stand das Wasser im Erdgeschoss.

Das ist nicht der Amazonas, sondern die Ruhr bei Hattingen. Mit einem Pegelstand von sieben Metern hat der Fluss einen Rekordhöchststand erreicht.

Und Entspannung ist nicht in Sicht - auch nicht für dieses Hotel und den Campingplatz. Denn aus dem Sauerland wird weiteres Wasser erwartet.

In der Nacht zu Freitag hatte die Feuerwehr in Hagen kaum noch Einsätze. Die Auswirkungen des Jahrhunderthochwassers sind aber noch deutlich zu erkennen.

In einem Kaltwalzwerk in Hagen Hohenlimburg stand der Schlamm hüfthoch. Durch das Unwetter wurden Tore der Halle eingedrückt. Der Schaden beläuft sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

In Hagen ist die Bundeswehr nach wie vor im Einsatz: Hier wird mit Hilfe eines schweren Einsatzfahrzeuges ein Auto angehoben.

Unermüdlich packen die Helfer in den Überschwemmungsgebieten an. Um viele geparkte Autos, wie hier in Hagen-Nahmer, konnte sich bisher aber niemand kümmern.

Dortmunder Feuerwehr hilft im Kreis Euskirchen

120 Feuerwehrleute sind nach Schleiden im Kreis Euskirchen gefahren, um dort zu helfen. Die Situation vor Ort sei katastrophal, sagt ein Sprecher. Die Infrastruktur sei zusammengebrochen und manche Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Neben den Feuerwehrleuten sind auch Sanitäter:innen der Dortmunder Hilfsorganisationen vor Ort.

Iserlohner Superintendentin hilft Hohenlimburg und Altena

Porträtfoto der Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Martina Espelöser

Als Martina Espelöer im Urlaub an der Ostsee die Hochwasserbilder aus ihrer Heimat sieht, packt sie die Koffer. Sie bricht ihren Urlaub ab und reist zurück, um zu helfen, besucht die besonders hart getroffenen Gemeinden Hagen-Hohenlimburg und Altena. Der Kirchenkreis hat einen Spendenfonds eingerichtet und selbst schon 10.000 Euro als Sockelbetrag bereitgestellt.

Stand: 18.07.2021, 19:59