Dumping-Lohn am Glühweinstand

Vier Tassen gefüllt mit Glühwein

Dumping-Lohn am Glühweinstand

Von Kay Bandermann

  • 50 Euro für einen Zwölf-Stunden-Tag
  • Viele Osteuropäer kennen ihre Rechte nicht
  • DGB informiert auf Weihnachtsmärkten

Die einen lassen sich Glühwein und Bratwürstchen schmecken, die anderen schuften stundenlang für Hungerlöhne. Der DGB kritisiert, dass auf deutschen Weihnachtsmärkten viele Beschäftigte für weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 Euro arbeiten. Am Freitag (06.12.2019) informierten Gewerkschafter auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt.

Initiative "Faire Mobilität"

Ein Mitglied des DGB verteilt Infobroschüren

Szabolcs Sepsi vom DGB verteilt Handzettel

Betroffen sind vor allem ost- und südosteuropäische Saisonarbeiter. Sie arbeiten meist an Getränkeständen und Imbissbuden. Etwa ein Drittel der angesprochenen Mitarbeiter verdiene demnach weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, sagt Szabolcs Sepsi von der DGB-Initiative "Faire Mobilität". "Manche kommen eigens wegen der Weihnachtsmärkte nach Deutschland." Das DGB-Projekt wird vom Bundesarbeitsministerium finanziert.

Sieben Stunden Arbeit gratis?

Schon am ersten Glühweinstand wird Sepsi fündig. Ein rumänischer Landsmann erzählt ihm, dass er 15 Stunden arbeitet und den Mindestlohn erhält - aber nur für die ersten acht Stunden. Der Rest sei "gratis". Sepsi reicht ihm einen Handzettel in rumänischer Sprache über die Theke. Darin steht, dass er Anspruch auf den vollen Mindestlohn hat und dass er noch drei Jahre rückwirkend das ausstehende Geld einklagen kann. Der Mann nickt und sagt noch, dass er sich sowieso einen neuen Job suchen wollte.

Kaum jemand klagt vor Gericht

Szabaolcz Sepsi ist Realist. "Die wenigsten werden tatsächlich klagen. Von Rumänien oder Bulgarien aus ist es schwierig, sein Recht zu bekommen." Nach Frankfurt und Berlin ist Dortmund der dritte Ort dieser Advents-Aktion des DGB. Vorstandsmitglied Stefan Körzell betont, die Gewerkschaft wolle den Leuten nicht die weihnachtliche Stimmung vermiesen. Es gehe um Fairness. "Wir wollen, dass die ausländischen Beschäftigten ihre Rechte kennen."

Schausteller zeigen sich überrascht

Der Dortmunder Schausteller-Verein sagt, er wurde von der DGB-Aktion überrascht. "Wenn uns der DGB informiert, gehen wir den Fällen gerne nach", so Sprecher Patrick Arens. Dumpinglöhne seien für ihn nicht vorstellbar. "Hier wird deutlich über dem Mindestlohn bezahlt, denn wir wissen, wie anstrengend die Arbeit ist."

Stand: 06.12.2019, 13:42