Demos in Dortmund mit Neonazis und Gegnern weitgehend friedlich

Etwa 700 Rechtsextremisten kurz vor ihrer Kundgebung in Dortmund

Demos in Dortmund mit Neonazis und Gegnern weitgehend friedlich

  • 600 Neonazis haben in Dortmund demonstriert
  • 4.000 Gegendemonstranten verschiedener Bündnisse
  • Friedlicher Verlauf, wenige Anzeigen
  • Straßensperrungen überwiegend aufgehoben

Der große Polizeieinsatz, die Straßensperrungen, gesichert mit Wasserwerfern und Panzerfahrzeugen, die Einschränkungen beim öffentlichen Personennahverkehr. All das hatte am Samstag (14.04.2018) auf das Stadtleben große Auswirkungen. Den ganzen Tag über kreisten Polizeihubschrauber in der Luft. Die Polizei war mit mehreren Tausend Beamten im Einsatz. Auch nach Ende der Demos kam es bis in den Abend noch zu Behinderungen im Bahnverkehr.

Bürgerliches Bündnis zur Gegendemo gestartet

Die Gegendemonstranten versammeln sich am Europaplatz

Die Gegendemonstranten versammeln sich am Europaplatz

Insgesamt gab es laut Polizei 13 Anmeldungen von Kirchen, Gewerkschaften und linken Bündnissen für Gegendemonstrationen oder Aktionen. Die Polizei sprach am Nachmittag von insgesamt 5.000 Demonstranten - dazu allerdings kursierten unterschiedliche Zahlen. Etwa 1.200 davon waren dem Aufruf des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus gefolgt - ein breites bürgerliches Bündnis, an dem auch der DGB, die SPD und die Grünen beteiligt sind. Bei einer der Kundgebungen rief Stadtdirektor Jörg Stüdemann den Nazis entgegen: "Dortmund war nicht eure Stadt, ist nicht eure Stadt und wird auch nie eure Stadt werden."

Polizei lässt Linke nicht zu ihrer Kundgebung durch

Die linken Aktivisten um das Bündnis "BlockaDO" und die Antifa hatten ihre erste Kundgebung am Abendgymnasium abhalten wollen. So war es auch angemeldet. Allerdings mussten diejenigen, die dorthin wollten, aufgrund der umfangreichen Polzeisperren mehrere Kilometer Umwege zu Fuß in Kauf nehmen.

Iris Bernert-Leushacke von der Partei "Die Linke" zeigte sich überzeugt, die Polizei wollte die Kundgebung verhindern. Die Politikerin erzählte einem unserer Reporter, einen Rechtsanwalt einschalten zu wollen. Mehr als 2.000 linke Demonstranten sollen laut Polizei in der Stadt unterwegs gewesen sein.

Neonazi-Aufmarsch Dortmund, 14.04.18

links: der Weg der Rechtsextremisten, rechts: die Route der Gegendemonstranten

Einige linke Gruppen hatten sich zuvor mit Polizisten ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert. Die Linken hatten an mehreren Stellen versucht, doch noch kurze Wege zu finden, um zu der Schule zu gelangen. Die Polizei teilte dazu mit, dass es sich dabei um sogenannte Laufspiele handelte, um die Polizei zu binden. Auch seien Pflastersteine und Flaschen auf Beamte geworfen worden.

Demo der Rechten ist unterwegs ins Klinikviertel

Demonstrationszüge treffen sich

Demonstrationszüge treffen sich - Aktion mit Farbpulver

Rund 600 Neonazis haben ihren Demozug unter dem Motto "Europa erwache" am Nordausgang des Hauptbahnhofs gegen 14 Uhr mit deutlicher Verzögerung gestartet. In speziellen Zelten wurden sie zuvor nacheinander von der Polizei durchsucht. Einige Rechte hatten unerlaubte Gegenstände mit dabei. Später wurden Parolen gerufen, die gegen die Auflagen verstoßen, berichtete unser Reporter. Am Westentor auf dem zentralen Wallring kam es zum ersten Sichtkontakt zwischen den Nazis und den Gegendemonstranten.

Wie bei indisch inspirierten Frühlingsfesten (Holi-Festival) hatten sich einige Teilnehmer des bürgerlichen Bündnisses Beutel mit Farbpulver mitgebracht, um die Kernbotschaft "bunt statt braun" weithin sichtbar werden zu lassen; eine Idee der grünen Jugendorganisation. "Nazis raus!" riefen sie lautstark dazu.

Neonazidemo - Polizeiabsperrung mit schwerem Gerät

Neonazidemo - Polizeiabsperrung mit schwerem Gerät

Kurz vor 17 Uhr trafen die Rechten im Kreuzviertel am Sonnenplatz ein, der Ort ihrer Abschlusskundgebung. Dort wie zuvor auch schon auf dem Weg dorthin durchs Klinikviertel übertönten die Anwohner Durchsagen und Musik der Rechten mit lautem Topfschlagen. Auch an den Fassaden und Fenstern waren zahlreiche Plakate gegen Rassismus oder gegen "braune Einfalt" zu sehen. Um etwa 18 Uhr begann das "betreute Abreisen" vom nahegelegenen S-Bahn-Haltepunkt Möllerbrücke.

Stand: 14.04.2018, 19:20