Offenes Bankgeheimnis: Kundendaten im Schaufenster

Offenes Bankgeheimnis: Kundendaten im Schaufenster 04:36 Min. Verfügbar bis 28.03.2020

Offenes Bankgeheimnis: Kundendaten im Schaufenster

  • Bildschirme werden wie im Schaufenster gezeigt
  • Bei allen vier Tests Daten erspäht
  • Sparkasse hat auf Recherche reagiert

Luftig, transparent, modern sieht sie aus, die Sparkasse im Kreuzviertel in Dortmund. Aber ist sie zu transparent? Ein Test der WDR-Lokalzeit zeigt, dass sensible Kundendaten ziemlich leicht durch die Fenster einsehbar sind.

Außenansicht einer Sparkassenfiliale im Dortmunder Kreuzviertel

Wie im Schaufenster werden hier die Computerbildschirme gezeigt. Das ist kein Problem, so lange kein Kunde beraten wird. Aber schon auf den ersten Blick ist klar: Hier gibt es freie Sicht auf alle Monitore.

Was das Team der WDR-Lokalzeit auf Bildschirmen in Banken liest und auf Beweisfotos festhält, ist brisant. Namen, Kontonummern, Kontostände, Adressen Telefonnummern. Aber auch persönliche Informationen, wie „Kundin ist verstorben, Tochter möchte Konten auflösen“, stehen auf dem Sparkassenmonitor.

Name, Kontonummer und Adresse sichtbar

Ähnlich sieht es bei der Commerzbank in Dortmund-Hörde aus. Hier soll eigentlich ein Lamellenvorhang vor neugierigen Blicken schützen. Doch es reicht eine kleine Bewegung mit der Kamera und der gesamte Inhalt des Monitors ist zu erkennen. Name, Kontonummer, Adresse und mehr.

Filiale einer Dortmunder Volksbank

Bei einer Volksbankfiliale ein ähnliches Bild, nur dass wir hier - wohl eher zufällig- gerade keinen Namen auf dem Schirm lesen, nur den Familienstand. Besonders bequem geht’s bei der Sparkasse im Stadtteil Dorstfeld. Hier kann man, wie beim Fastfoodrestaurant, direkt vor dem Fenster parken und bekommt gleich das Komplett-Menü. Name, Geburtsdatum, Kontostände.

Banken und Sparkassen reagieren

Fachanwalt Christoph Kunke aus Düsseldorf, früher für die Verbraucherzentrale NRW tätig, ist nicht überrascht: "Es ist erschreckend, wie lax in Deutschland immer noch mit solchen Daten umgegangen wird.“ Wenn Reporter so leicht an solche Daten herankommen, dann können Kriminelle das auch.

Außenansicht einer Commerzbank-Filiale in Dortmund

Die Volksbank teilte mit, dass es sich offensichtlich um einen Einzelfall handele, der geprüft werde. Auch die Commerzbank will ihren Fall überprüfen, grundsätzlich aber seien alle Arbeitsplätze so ausgerichtet, wie es die Arbeitsstättenrichtlinie vorschreibt.

Beide Banken sagen außerdem, die Mitarbeiter würden regelmäßig geschult. Lauter Einzelfälle? Wohl kaum. Das Ergebnis der WDR-Stichprobe: Acht Bankfilialen besucht, viermal getestet, immer getroffen.

Die Sparkasse Dortmund hat inzwischen auf die Recherchen reagiert, alle Filialen überprüft und überall da, wo es nötig war, Sichtschutz angebracht.

Stand: 28.03.2019, 08:17

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Uwe Weber 29.03.2019, 11:39 Uhr

    Na ja, es wäre sicherlich wünschenswert gewesen, wenn das Problem bereits vorher durch die Kreditinstitute selbst endeckt worden wäre. Aber immerhin nimmt die Sparkasse den Ball auf und reagiert sofort, was man von den anderen nicht sagen kann.

  • 2 Zuschauer 28.03.2019, 14:27 Uhr

    Denken ist bei vielen Leuten Glücksache!

    Antworten (2)
    • Uwe Weber 29.03.2019, 11:41 Uhr

      Das ist ja mal ein sehr gehaltvoller Kommentar. Musste Sie lange dafür nachdenken?

    • WDR.de 29.03.2019, 12:39 Uhr

      Liebe Leute, wir freuen uns über rege Diskussionen zum konkreten Thema. Aber wir bitten darum, freundlich zu bleiben und die Netiquette zu beachten: https://www1.wdr.de/hilfe/kommentarregeln100.html Viele Grüße Social Media Team WDR

  • 1 vaikl 28.03.2019, 13:20 Uhr

    Blickschutzfilter für Standard-Monitore, die seitliche Einblicke wie z.B. vor der Kreuzviertel-SparKa-Filiale verhindern, kosten je nach Größe bis zu 100,-€ als Einzelkauf. Da sollte man als Spaßkasse doch eher mal an den überflüssig teuren Outlook365-Abos sparen und das Geld lieber für Sicherheit ausgeben - aber wen interessiert beim Money-Mining schon Sicherheit???