Eine Brücke führt über die Emscher. Auf ihr sind Menschen zu sehen. Das Bild ist aus der Vogelperspektive von oben aufgenommen

Klein und Groß gehen auf Forschungsreisen an der Emscher

Stand: 18.08.2021, 11:26 Uhr

Ende des Jahres soll in der Emscher nur noch klares und sauberes Wasser fließen. Die einstige Kloake gehört der Vergangenheit an. Das genießen die Menschen rund um den Fluss.

Von Jolien Wagner

Es sind nur noch wenige Stellen, an denen das Abwasser der Emscher und seinen Nebenläufen vor sich hinmüffelt. Ende des Jahres soll das Wasser komplett durch unterirdische Kanäle geleitet werden. Nach dreißig Jahren ist der Umbau des Emscher-Systems fast fertig. Dass sich in den vergangenen Jahres viel getan hat, sehen die Menschen, die an der einstigen "Kloake" leben, aber bereits jetzt.

Eine Gruppe wandert an der Emscher entlang

Entlang der Emscher: Hubertus Kurowski (mitte) und Nobert Labatzki (rechts) erzählen von früher

Hubertus Kurowski und Norbert Labatzki aus Gelsenkirchen sind an der Emscher groß geworden. Sie kennen sich mit der Geschichte des Flusses aus und laden Interessierte gerne zu einer kleinen Wanderung ein. "Vor vielen tausend Jahren da lebten die Menschen gerne hier", sagt Hubert Kurowski. Doch mit Bergbau und Industrie, habe sich alles verändert.

Erster Umbau macht Emscher zur "Kloake"

Durch die Hohlräume, die unter Tage entstanden, sank die Erdoberfläche ein und die Emscher konnte nicht mehr abfließen. Es gab immer größere Überschwemmungen. Dazu kam das Abwasser der Zechen, Stahlwerke und Städte. Die Folge waren schlimme Epidemien. Krankenheiten wie Typhus und Colera kosteten hunderten Menschen das Leben.

Es musste also eine Lösung her – der erste Emscher-Umbau. Der Fluss und seine Nebenläufe wurden begradigt, eingedeicht und in Betonrinnen gezwängt. Es entstand die offene Kloake wie man sie jahrzehntelang kannte. "Ein Gelsenkirchener hat die Emscher nicht mehr gerochen. Man hat nicht mehr drüber geredet", erinnert sich Nobert Labatzki.

Spektakuläre Funde an den Baustellen

Szenen alter Tage! Denn seit der zweite Emscher-Umbau vor gut 30 Jahren begonnen hat, ist das Interesse an der Natur geweckt. An einer Baustelle in Gelsenkirchen wurde beispielsweise 2012 der Stoßzahn eines Mammuts gefunden. Außerdem wurde der Hahnebach in Gladbeck, die "Köttelbecke", umgestaltet und ein Wassererlebnispfad angelegt.

Dort befindet sich ein Amphitheater aus Natursteinen direkt am Wasser. Es wird liebevoll "Blaues Klassenzimmer" genannt und ist besonders beliebt bei Kindern – zum Beispiel aus der Kita St.Marien. Sie gehen mit ihrem Bollerwagen regelmäßig auf Forschungsreise zu dem Bach.

Blaues Klassenzimmer lockt kleine Nachwuchsforscher an

Kinder ziehen einen Experimentierbollerwagen hinter sich her, um an der Emscher zu forschen.

Wichtiges Forschungsmaterial muss mit an den Hahnebach

"Es geht ums Anfassen, ums Tun, um das Sehen. Wenn die Kinder etwas fangen, sind sie gleich aus dem Häuschen, da ist es erst mal egal was", strahlt Erzieherin Esther Krüger. Mit Kescher und Lupenbecher werden hier Käfer, Kaulquappen und kleinere Fische ganz genau untersucht und bestaunt.

Eine Erzieherin und ein Kita-Kind schauen sich in einem Lupenbecher ein kleines Tier an.

Esther Krüger mit ihren Kita-Kindern im Blauen Klassenzimmer

"Das ist für die Kinder eine total schöne Abwechslung und sie sind der Natur eben auch sehr nah verbunden", sagt Esther Krüger weiter. Ihr sei es wichtig den Kindern zu zeigen, wie es an der Emscher früher aussah und wie schön sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.