Cybercrime-Razzia in Dortmund: Hacker veröffentlichten geheime Baupläne

Cybercrime-Razzia in Dortmund: Hacker veröffentlichten geheime Baupläne

Von Christof Voigt

  • Einsatz der Zentralstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen
  • Razzia in linkem Kulturzentrum in der Nordstadt
  • Geheime französische Baupläne veröffentlicht

Mit einem Großaufgebot stürmt die Polizei am Mittwochabend (04.07.2018) um kurz nach 20:00 Uhr in das linke Kulturzentrum "Langer August" in der Dortmunder Nordstadt. Es geht um Internet-Kriminalität.

Baupläne von Atomkraftwerk veröffentlicht

Auslöser der Razzia war eine Seite von Attaq in Frankreich. Die Links-Aktivisten haben aus „Vergeltung“ gegen Hausdurchsuchungen am 20. Juni neun Tage später Baupläne und andere vertrauliche Unterlagen eines großen französischen Ingenieurbüros veröffentlicht mit Links zum Dortmunder Server. Dabei ging es um sensible Projekte, wie Atomkraftwerke, Atommüllendlager, Hochsicherheitsgefängnisse und U-Bahn-Bauten.

Dem WDR liegt der Durchsuchungsbeschluss vor. Demnach wurden über den Server im Zentrum Baupläne von vier französischen Gefängnissen und dem Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass veröffentlicht. Und auch Pläne von der U-Bahn in Barcelona. Angeordnet wurde der Einsatz von der Zentralstelle Cybercrime NRW, die übernimmt nur Fälle von besonderer Bedeutung und ist auch in der Nacht nicht zimperlich vorgegangen.

Verein stellt Serverplatz zur Verfügung

Die schweren Panzertüren zu den Serverräumen des Dortmunder Vereins "Wissenschaftsladen" sind aufgebrochen. Für die letzte Tür musste sogar die Feuerwehr kommen und sie aus den Angeln heben, erzählen Augenzeugen. Die Beamten haben hier mehrere Festplatten und Rechner beschlagnahmt.

Völlig demolierte beige Panzertür, die geöffnet ist.

Aufgebrochene Panzertür vom Dortmunder Verein Wissenschaftsladen

Der Verein bietet unter anderem Internet-Dienste an. Zum Beispiel können Plätze für nichtkommerzielle Server gemietet werden. Laut Internetseite will der Verein so verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen, das Internet zu nutzen: "Die produktiven Möglichkeiten der Netze versuchen wir neben Individuen und Gruppen insbesondere auch für progressive Bewegungen nutzbar zu machen. (Gewerkschaftliche Vernetzung, Umweltbewegung, Antifaschismus, Kunst- und Kultur, soziale Bewegungen, Tierschutz, Bürgerprotest, uvm.)"

Server mit Kabeln

Serverraum des Dortmunder Vereins Wissenschaftsladen

Eine Anwältin des Vereins erklärt noch in der Nacht, dass es wohl um einen externen Server gehe, für den lediglich ein Platz im Serverraum des Vereins "gemietet" worden sei. Die Anwältin sagt, dass die Polizisten ihr und einem Vorstandsmitglied erzählt hätten, von diesem Server aus sei eine Internetseite betrieben worden, auf der "eigentlich geheime Dokumente" veröffentlicht worden seien und möglicherweise noch weitere veröffentlicht werden sollten. Um welche Internetseite es dabei geht, konnte sie nicht sagen.

Staatsanwaltschaft zugeknöpft

Die Einsatzleitung gibt sich in der Nacht extrem zugeknöpft und verweist auf die federführende Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, kurz ZAC NRW. Die habe den Einsatz angeordnet. Die ZAC NRW ist bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelt.

Der Kölner Staatsanwalt Dr. René Seppi, Pressesprecher in Wirtschaftsstrafsachen, bestätigt am Donnerstag (05.07.2018) den Einsatz in der Dortmunder Nordstadt. Aus ermittlungstaktischen Gründen "gibt es aber auf keinen Fall weitere Informationen," sagt Seppi im Gespräch mit dem WDR und verweist auf das laufende Verfahren.

Kritik am Einsatz der Polizei

Kritik kommt von Vertretern anderer Vereine, die in dem Kulturzentrum Räume haben, unter anderem das Dortmunder Bündnis gegen Rechts und der Chaos-Computer-Club. Offenbar sind im Rahmen des Einsatzes auch deren Vereinsräume durchsucht worden. Auf welcher rechtlichen Grundlage, ist nicht klar.

Im Durchsuchungsbeschluss, der dem WDR vorliegt, steht eindeutig, dass nur die Räume des Wissenschaftsladens zu durchsuchen sind. Die Dortmunder Polizei hat aber eigenständig andere Räume durchsucht und dort auch Dinge beschlagnahmt. So steht es in einem Protokoll, auch das liegt dem WDR vor. Die Dortmunder Polizei wollte dazu keine Angaben machen.

Stand: 05.07.2018, 18:51