Schausteller der Cranger Kirmes bangen: "Wir hoffen von Monat zu Monat"

Wolfgang Lichte steht vor einem seiner Verkaufsbuden

Schausteller der Cranger Kirmes bangen: "Wir hoffen von Monat zu Monat"

Von Agata Pilarska und Sebastian Tischkov

Wie gehts auf Crange weiter? Die Stadt Herne plant fest mit dem Riesen-Volksfest. Die Schaustellerdynastien hoffen – denn es könnte ihre letzte Chance sein.

Sie steht einfach so da, mitten an der B 226 und nur einen Steinwurf vom Kirmesplatz entfernt: Die Fisch-Bude der Familie Lichte. In Wanne-Eickel kennt sie jeder und auf der Cranger Kirmes darf sie nicht fehlen. Die Familie lebt nur von der Schaustellerei – ein hartes Brot in Pandemie-Zeiten.

"Crange ist für uns Herzgefühl"

Schon als Kleinkind hat Wolfgang Lichte mit seinen Eltern Kirmesplätze bereist. Seit mehr als 100 Jahren verkauft die Familie, damals noch in Buden, heute im Verkaufswagen. Matjes, Kibbelinge, Frischfrikadellen – alles, was das Fisch-Herz begehrt.

Fischfrikadellen-Brötchen liegen in der Auslage des Fischwagens

Wie war 2020 für ihn? "Für uns Schausteller war das Jahr eigentlich zum Vergessen", sagt Lichte. Von Monat zu Monat haben sie gehofft, dass es doch irgendwie noch geht. Dass sie zu den Leuten rausfahren können, bei Volksfesten, Kirmesveranstaltungen und Schützenfesten dabei sein können. Das letzte große Geschäft war aber die Weihnachtsmarkt-Saison 2019.

Kirmes wird vorbereitet

Die Stadt Herne plant jetzt aber ganz normal für das Jahr 2021. "Wir möchten einfach, dass Crange stattfinden kann. Das ist auch einfach ein ganz wichtiger Bestandteil des Lebensgefühls in unserer Stadt", beteuert Stadtsprecher Christoph Hüsken. Die Kirmes soll vom 6. bis 15. August stattfinden.

Tatsächlich wurde die Bewerbungsphase für die Beschicker auch schon im November 2020 beendet, aktuell wird der Kirmesplan erstellt. Ob es spezielle Hygienekonzepte oder sogar eine Absage geben könnte, hänge von der Lage kurz vor Beginn der Veranstaltung ab.

Unplanbare Zukunft für Schausteller

Während die Stadt plant, hoffen die Schausteller nur. "So richtig planen ist ja für uns nicht möglich. Wir hoffen von Monat zu Monat", sagt Wolfgang Lichte. Eigentlich könnten sie es auch gar nicht mehr aushalten. Und mit "sie" meint Lichte ausdrücklich alle Schaustellerinnen und Schausteller. "Aber es nützt ja nichts. Das Leben muss ja weiter gehen", sagt der 70-Jährige.

Die Fischverkaufsbude der Familie Lichte am Straßenrand in Wanne-Eickel

Die Lichtes konnten sich im letzten Jahr noch über Wasser halten: Mit Verkaufsständen in Innenstädten zum Beispiel – durch den Lockdown fallen aber auch diese weg. Momentan bleibt ihnen nur die eine aufgebaute Bude neben einer Tankstelle, die sonst auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt steht.

Und Lichtes größter Wunsch? Dass die Pandemie genau so schnell geht, wie sie gekommen ist. "Aber das ist Wunschdenken, das wissen wir."

Stand: 07.01.2021, 13:58